"Heute beginnt die Zukunft der Jungen Union" – mit diesen Worten hat Paul Ziemiak seine Wahl zum neuen Vorsitzenden der JU angenommen. Er löst Philipp Mißfelder ab, der mit 35 Jahren nicht mehr für den Vorsitz der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU kandidieren durfte. Ziemiak setzte sich mit 63 Prozent der Stimmen gegen seinen Gegenkandidaten Benedict Pöttering durch, der auf 37 Prozent der Stimmen kam. Es war das erste Mal seit 1973, dass bei der Wahl zum Vorsitzenden der Jungen Union zwei Kandidaten zur Abstimmung standen.  

Es war auch ein Duell des Aufsteigers gegen den Etablierten. Pöttering ist der Sohn des CDU-Politikers Hans-Gert Pöttering, dem früheren Präsidenten des EU-Parlaments. Ziemiak ist Aussiedlerkind, er wurde im polnischen Szczecin geboren und kam 1988 nach Deutschland. Er wolle sich darum kümmern, dass die Junge Union auch für Nicht-Akademiker wieder interessanter werde, hatte er angekündigt. "Wir sind das Land der Möglichkeiten, die Junge Union muss die Organisation der Möglichkeiten sein", forderte Ziemiak in seiner umjubelten Rede. "Wenn du hart arbeitest, dann kannst du es schaffen – das ist der Geist der Jungen Union." Ihre Botschaft sei, dass sie den Staat und nicht den Menschen verändern wolle. Letzteres sei das Bestreben von Linkspartei und Grünen.

Bei den Delegierten kam das an. Dass die Sympathien der Mitglieder bei Ziemiak lagen, wurde spätestens während der Bewerbungsreden klar. Pöttering beschrieb in seiner Rede seinen Traum und Alptraum von Deutschland im Jahr 2030. Hier das starke, innovative, gesunde – dort das heruntergewirtschaftete und marode Deutschland. Er wolle für Generationengerechtigkeit, gegen Egoismus und für die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Landes kämpfen, sagte Pöttering.

An mehreren Stellen versetzte er seinem Gegner Ziemiak Seitenhiebe, ohne ihn zu nennen. Dass er seit Langem Politik und Beruf verbinde, dass er die Kanzlerin kritisiere und sich den Medien im Wahlkampf gestellt habe – alles im Gegensatz zu Ziemiak. Doch richtig mitreißen konnte er die Zuhörer nicht. Als er sich zum Ende seiner Rede direkt an Ziemiak wandte,  wurde im Saal "Paul, Paul, Paul" gerufen.

Ziemiak punktete bei den Mitgliedern mit Sprüchen wie: "Wer die Scharia mehr achtet – da hilft kein Integrationskurs, da hilft nur Gefängnis." Auch er teilte gegen seinen Konkurrenten aus, ohne seinen Namen in den Mund zu nehmen. Zu Pötterings Bereitschaft, vielen Medien Interviews zu geben, sagte der 29-Jährige: "Ich will Bundesvorsitzender werden und nicht Pressesprecher."

Merkel spricht Mißfelders Fehler an

Nach seiner Wahl rief Ziemiak die Junge Union zur Geschlossenheit auf. "Im Team geht es nur", rief er den rund 300 Delegierten in Inzell zu. Nach Monaten des erbitterten Wahlkampfes wolle er beide Lager zusammenbringen. Auch im Umgang mit CDU und CSU will Ziemiak auf Kompromisse setzen – anders als Pöttering, der auf Konfrontation gesetzt hatte.

Das dürfte Angela Merkel gefallen. Die CDU-Vorsitzende und Kanzlerin rief Jung und Alt zum Zusammenhalt auf und stimmte beide Seiten auf große Anstrengungen ein, damit dieser Zusammenhalt nicht "außer Rand und Band" gerate. "Gestalten Sie Ihr Leben", rief Merkel den Delegierten zu. "Veränderung kann zu etwas Wunderbarem führen."

Der bisherige Vorsitzende Mißfelder dankte der Jungen Union für seine zwölfjährige Amtszeit – und erinnerte zugleich an seinen Ausrutscher aus dem Jahr 2003. Damals hatte er infrage gestellt, ob 85-Jährige noch auf Kosten der Solidargemeinschaft künstliche Hüftgelenke bekommen sollten. "Du hast nach anfänglichem unglücklichem Start verstanden, dass die Generationen zusammenhalten müssen", sagte Merkel zu dem Vorfall. Sie lobte, dass die JU heute gute Beziehungen zur Senioren-Union pflege.