Bodo Ramelow hatte sich schon so sicher in der Staatskanzlei in Erfurt gesehen. Als erster Linken-Politiker will der frühere Westgewerkschafter erster Ministerpräsident seiner Partei in einem Bundesland werden. Doch der rot-rot-grüne Machtwechsel in Thüringen ist angesichts der Hochrechnungen fraglich geworden, trotz eines Rekordergebnisses der Linkspartei. Verantwortlich dafür ist ausgerechnet die AfD.

Denn die rechtspopulistische Protestpartei mit ihren teils fremdenfeindlichen, teils auch russlandfreundlichen Wahlkampfslogans zog mit zweistelligen Ergebnissen in Potsdam wie in Erfurt auf Anhieb in die Landtage ein, ähnlich wie vor zwei Wochen schon in Sachsen. Auch das Debakel der thüringischen SPD, die nur knapp vor der AfD landete, sorgt dafür, dass die Koalitionsfrage in Thüringen wohl erst am späten Abend geklärt ist – wenn überhaupt.

Selbst für die Fortsetzung der bisherigen schwarz-roten Koalition unter Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht könnte es knapp werden, obwohl die CDU zulegte. Womöglich brauchen beide Parteien als dritten Partner die Grünen. Es wäre ein neuartiges Notbündnis der drei alten Westparteien gegen Linke und AfD.

Die Kalamitäten der Koalitionsbildung in Erfurt zeigen, wie sehr die AfD im Rekordtempo zum Riesenproblem für die etablierten Parteien geworden ist: Sie verlieren alle fast gleichermaßen Stimmen an die Parteineugründung, der es offensichtlich gelingt, Protestpotenzial von rechts wie links einzusammeln. In Thüringen fehlten diese Stimmen vor allem dem linken Lager, um den angestrebten Politikwechsel zu schaffen. 


Rechte Konkurrenz für CDU und SPD

Ernsthafte Sorgen muss sich jetzt die CDU machen. Denn nach diesem erneuten sensationellen Doppelerfolg hat sich die Alternative für Deutschland rechts von ihr fest etabliert. Sie saugt Stimmen enttäuschter Konservativer ab, die sich von der unter Angela Merkel modernisierten und gesellschaftspolitisch liberalisierten Union nicht mehr vertreten fühlen. Und solange die CDU Koalitionen mit ihr ablehnt und nicht selbst wieder nach rechts rückt, wird es für sie schwierig bleiben, ohne die SPD noch Mehrheiten zu finden.

Denn die FDP ist nach diesen Wahlen endgültig in der Versenkung verschwunden. Und die Grünen als potenzielle Alternative schafften es in beiden Ländern nur knapp über die Fünfprozenthürde.