Mit einem ökumenischen Gottesdienst hat in Hannover die zentrale Feier zum Tag der Deutschen Einheit begonnen. Unter den Teilnehmern waren Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel, Ex-Bundespräsident Christian Wulff und Altkanzler Gerhard Schröder. An dem Gottesdienst nahmen auch Vertreter von Judentum und Islam teil, sie beteten gemeinsam für den Frieden in der Welt.

Nach dem Verlassen der Marktkirche in Hannover wurden Gauck und Merkel von mehreren Hundert Menschen mit Trommeln, Jubelrufen, aber auch vereinzelten Buhrufen empfangen. Begeistert zeigte sich Gauck von einer afrikanischen Gesangsgruppe, deren Mitglieder aus Potsdam angereist waren. "Wenn wir euch nicht hätten, dann wären die Feste nur halb so schön", sagte der Präsident, der zu der Hymne Nkosi Sikelel' iAfrika und anderen Liedern andeutungsweise tanzte.

25 Jahre nach dem Fall der Mauer sind mehr als 1.000 Gäste zum großen Festakt geladen. Beim Bürgerfest, auf dem sich die 16 Bundesländer präsentieren, werden 500.000 Besucher erwartet. Auf der 1,5 Kilometer langen Partymeile am Maschsee herrschte am Mittag dichtes Gedränge.

Weil verwechselt Ost und West

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sorgte beim Festakt mit einem Versprecher für Heiterkeit. In seiner Begrüßung erinnerte er an den Herbst 1989 und die Situation in den BRD-Botschaften unter anderem in Prag, in die viele DDR-Bürger geflüchtet waren. "Ihr Ziel war die Ausreise in den Osten", sagte Weil unter dem sofort einsetzenden Gelächter der Gäste. Der amtierende Bundesratspräsident korrigierte sich sofort: Nach 25 Jahren Einheit könne man Osten und Westen schon mal verwechseln.

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte den Einsatz der Demonstranten in der DDR. "Ohne den Mut dieser Bürger, ohne den von ihnen erzeugten Reformdruck wäre es nicht zum Mauerfall gekommen", sagte Merkel in ihrer Festrede. Die Wiedervereinigung sei ohne die friedliche Revolution in der DDR und die anschließende diplomatische Überzeugungsarbeit der damaligen Bundesregierung auf internationalem Parkett nicht denkbar gewesen.

Die Angriffe auf Asylbewerber in deutschen Flüchtlingsunterkünften nannte Merkel "abstoßend". Deutschland dürfe es auch nicht als gegeben hinnehmen, dass in Deutschland immer noch jüdische Einrichtungen von der Polizei bewacht werden müssten und der Antisemitismus Menschen bedrohe. "Junge Menschen, die hier aufgewachsen sind, müssen wir mit allen Maßnahmen davon abhalten, in einen Kampf zu ziehen gegen jeden, der anders lebt oder glaubt als sie", sagte Merkel.

Genscher dankbar für gesamtdeutsche Solidarität

Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher bezeichnete die Einheit 25 Jahre nach dem Fall der Mauer als gelungen: "Ich denke schon, das ist ein ganz großes Gemeinschaftswerk, was da entstanden ist", sagte er vor dem Festakt. Zwar gebe es nach wie vor Probleme, "ich denke aber, dass die innere Vereinigung doch gut gelungen ist. Ich empfinde da jedenfalls große Dankbarkeit, auch für die innere gesamtdeutsche Solidarität."

Hannovers Landesbischof Ralf Meister forderte, bei der Suche nach Gerechtigkeit sei Engagement und Einsatz gefragt. Das gelte auch für die Krisenherde Syrien und Nordirak. Der Vorsitzende des Landesverbandes der Muslime in Niedersachsen, Avni Altiner, verurteilte die Taten der islamischen Terroristen. Sie widersprächen den Werten seiner Religion.

Kerry lobt die deutschen "Meilen"

US-Außenminister John Kerry gratulierte zum Tag der Deutschen Einheit: "Ich werde immer eine persönliche Verbindung zu Deutschland haben. Als mein Vater in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg als Offizier im Auswärtigen Dienst arbeitete, lernte ich Deutsch und begann, die Kultur, Architektur und die Schönheit des Landes zu lieben."

Erst letztes Jahr sei er bei einem Besuch durch Berlin gelaufen, vorbei am Reichstag und dem Brandenburger Tor und habe die "Meilen" bestaunt, die Deutschland in seiner wechselhaften Geschichte zurückgelegt habe.