Vor verschlossenen Türen: Noch immer weisen die Krankenhäuser in Westafrika Ebola-Infizierte ab. Sie haben nicht genügend Ärzte und Betten, um sie zu behandeln. © Dominique Faget/AFP/Getty Images

Deutschland hat jetzt einen Sonderbeauftragten für Ebola. Er heißt Walter Lindner, vertritt aktuell noch die Bundesrepublik als Botschafter in Venezuela und ist ein Diplomat der ungewöhnlichen Art. Der 57-Jährige trägt Kinnbart und Pferdeschwanz. In seinem Lebenslauf findet sich nicht nur ein juristisches Staatsexamen, sondern auch ein Musikstudium, zwei selbst eingespielte Jazz-Alben und ein Festival, das er während seiner Botschafter-Zeit in Kenia gründete. Im Auswärtigen Amt leitete Lindner drei Jahre lang das Krisenreaktionszentrum, von 2010 bis 2012 war er für die Afrika-Politik zuständig.

Jetzt soll Lindner die Ebola-Hilfen der Bundesregierung koordinieren und dafür sorgen, dass "die deutschen Bemühungen ihre maximale Wirkung entfalten können", wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch mitteilte. Es gebe "großen Koordinierungsbedarf". Dem lässt sich nicht widersprechen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bereits mehr als 3.000 Menschen in Liberia, Sierra Leone und Guinea an Ebola gestorben, Tausende weitere sind infiziert. Schon seit Juni haben Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen eindringlich vor dem Virus gewarnt und internationale Hilfe gefordert. Lange Zeit vergeblich. Die Bundesregierung schwieg.

Erst seit der UN-Sicherheitsrat Ebola Mitte September zu einer "weltweiten Gefahr für Frieden und Sicherheit" erklärte, haben auch Ursula von der Leyen, Hermann Gröhe und nun sogar Angela Merkel ihre Sprache wiedergefunden. Doch wenn man sich die Versprechungen und die schönen Zahlen, die die Regierung präsentiert, genauer ansieht, wird deutlich: Die deutsche Antwort auf Ebola ist bisher eine Ansammlung von Fragezeichen.

50 statt 300 Betten?

Da wären zum Beispiel die 300 Betten, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor zwei Wochen für die Ebola-Krisenregion in Aussicht gestellt hat. Wo das mobile Krankenhaus, das diese Betten einst beherbergen soll, errichtet wird, ist noch nicht entschieden. Favorisiert wird die liberische Hauptstadt Monrovia, das Epizentrum des Ebola-Ausbruchs. Völlig unklar ist aber, wer diese Betten bereitstellen soll und vor allem: wer die hochinfektiösen Patienten behandelt, die irgendwann in diesen Betten liegen könnten.  

Für die Planung des Einsatzes ist das Auswärtige Amt zuständig. Trotz Anfragen von ZEIT ONLINE war dort über zwei Tage lang kein zuständiger Mitarbeiter zu erreichen. Ob die von der Verteidigungsministerin versprochenen 300 Betten auch im Auswärtigen Amt das Ziel der Planungen sind, wo diese errichtet werden sollen und von wem – diese Fragen ließen sich also nicht von zentraler Stelle beantworten.

Anruf bei der Bundeswehr. Die arbeitet seit vergangener Woche an der Errichtung einer Luftbrücke zwischen dem Senegal und Liberia und hat dabei mit Pannen und Peinlichkeiten zu kämpfen. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr stellt sich darauf ein, 50 Krankenhausbetten im Krisengebiet zu errichten und das medizinische Personal bereitzustellen, sagt Sprecher Helmar Schmidt. Wegen der Belastung durch die Schutzanzüge würden aber neben den Betten mindestens drei bis vier Ärzte und Schwestern pro Patient benötigt. Mit konkreten Planungen könne die Bundeswehr erst beginnen, wenn klar sei, wer die Mission anführt und wo die Krankenstation gebaut wird. Die übrigen 250 Betten, davon geht man bei der Bundeswehr aus, steuern das Technische Hilfswerk (THW) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bei.

Beim THW wissen sie davon nichts. "Wir haben keine mobilen Krankenhausstationen", sagt Sprecherin Georgia Pfleiderer. Das Technische Hilfswerk könne die internationalen Akteure in Afrika beraten und sein logistisches und technisches Know-how einbringen. Seit vergangenem Wochenende sind zum Beispiel zwei Mitarbeiter im Senegal, um die Bedingungen eines Einsatzes zu sondieren. Als technische Organisation verfügt das THW aber nach Angaben von Pfleiderer weder über Krankenbetten noch über medizinisches Personal. 

Doch woher sollen die übrigen 250 zusätzlichen Betten kommen? Das Rote Kreuz will erst gar nicht mit konkreten Zahlen planen, wie Sprecherin Susanne Pohl sagt. Zuvor müsse erst geklärt werden, ob ein Krankenhaus gebaut werde, das der ärztlichen Versorgung insgesamt zugutekommen soll, oder ob es eine reine Ebola-Station wird, mit den entsprechend höheren Anforderungen an Isolation und Personal. Die entscheidende Frage, sagt Pohl außerdem, sei nicht die Anzahl der Betten, sondern die Frage, ob genug medizinisches Personal zur Verfügung stehe, um die Kranken zu versorgen. "Was nützt uns ein Bett, das wir nicht betreuen können?"