Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat davor gewarnt, Salafisten, die sich Terrororganisationen anschließen wollten, nur durch die Verhinderung ihrer Ausreise stoppen zu wollen. Es sei genauso wichtig, mehr gewaltbereite Salafisten abzuschieben, sagte Herrmann der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS).

Das solle nicht bedeuten, dass Deutschland den Terror sehenden Auges exportiere. Wenn aber durch Salafisten "unmittelbare Gefahren für die Sicherheit in Deutschland drohen, dann haben unsere eigenen nationalen Interessen ganz klar den Vorrang", sagte Herrmann.

Bisher ist eine Abschiebung nur bei Ausländern möglich, aber nicht bei deutschen Staatsbürgern. Viele Salafisten sollen laut FAS neben dem deutschen auch noch einen weiteren Pass besitzen. Herrmann erwägt deshalb, ihnen die deutsche Staatsangehörigkeit zu entziehen: "Wir müssen auch bei deutschen Salafisten intensiv darüber nachdenken, unter welchen Voraussetzungen wir sie bei Vorliegen eines zweiten Passes aus der deutschen Staatsbürgerschaft entlassen können, wenn sie in Diensten einer ausländischen Terrororganisation stehen." Allerdings verbietet das Grundgesetz bislang ausdrücklich, die deutsche Staatsangehörigkeit zu entziehen. 

Erst vor Kurzem war Herrmann in die Kritik geraten, als er einen jungen Türken abschieben ließ. Erhan A. hatte in einem Interview seine Solidarität mit dem "Islamischen Staat" (IS) bekundet. Für den IS sei er sogar bereit, seine eigene Familie zu töten, hatte er gesagt. Nach der Abschiebung musste sich Herrmann der Kritik erwehren, er sei von der gemeinsamen Linie der Innenminister abgewichen. Dazu sagte der Minister: "Die Sicherheitsinteressen der Menschen in Deutschland stehen für mich an erster Stelle."

Kritisiert wurde Herrmann außerdem, weil gerade die Abschiebung von Islamisten dem IS weiter Zulauf verschaffen könnte. Genau das sollen Deutschland und andere Länder eigentlich gemäß einer im September verabschiedeten Resolution des UN-Sicherheitsrats verhindern.