Hooligans auf der gewalttätigen Demonstration in Köln. © Alexander Koerner/Getty Images

Seit Jahren bemüht sich die zutiefst islamfeindliche Pro NRW um bürgerliche Wähler, die Moscheen und Kopftücher aus Deutschland verbannen, dabei aber nichts mit rechten Schlägern gemein haben wollen. Doch nun fungierte der stellvertretende Pro-NRW-Vorsitzende Dominik Roeseler als Anmelder der Hooligan-Demonstration, die der Welt die gewalttätigste Seite zeigte, die der Fußball im Weltmeisterland zu bieten hat: das rechtsextreme, rassistische und islamfeindliche Gesicht von einem riesigen Mob, der aus heiseren Kehlen "Ausländer raus" brüllt, nachdem er das mehrheitsfähige Ziel bloß vorgeschoben hatte, gegen Salafisten zu protestieren. Roeseler hat seiner Partei damit einen weiteren schweren Imageschaden verpasst.

Das offizielle Motto der rechtsextremen Machtdemonstration vom Sonntag in Köln war dabei völlig einerlei. Die rund 4.000 gewaltgeilen Typen hätten auch zu einer Demonstration gegen das Rauchverbot in der Kölner U-Bahn zusammenkommen können; es hätte genau dasselbe Bild vom hässlichen Deutschen abgegeben, der einzig zum Dom gepilgert war, um dort seine Gewaltphantasien und den Hass auf all das auszuleben, was ihm fremd ist. Und das in einer eindeutig homogenen Masse von Rechtsextremisten, die auch Hooligans sind. Oder andersherum.

In Köln wurde keine gewaltaffine Fußballszene rechtsextrem unterwandert, sie war schon längst rechtsextrem gewesen. Und zwar seit inzwischen 30 Jahren, seit derer sich Neonazis auch in Fanclubs wie der Dortmunder Borussenfront, der Berliner Wannseefront, in Hooligan-Gruppen wie der Rotfront aus Kaiserslautern oder den Berserkern aus Pforzheim zusammenschließen, ohne dabei jemals anschlussfähig gewesen zu sein. 

Die Gewaltforscherin Claudia Luzar von der Fachhochschule Dortmund geht davon aus, dass die Initiative "Hooligans gegen Salafisten", die nunmehr auch in Berlin und Hamburg protestieren will, nur wenige Leute aus dem bürgerlichen Lager zum Mitmarschieren mobilisieren wird. "Dafür sind die Bilder aus Köln einfach zu abschreckend, ist die Gewalt zu massiv, die sich gegen Polizisten gerichtet hat, ja zum Teil sogar gegen Journalisten." 

Viele Unterstützer zeigen sich nur anonym im Netz

Luzar, die an den maßgeblichen Studien des Bielefelder Gewaltforschers Wilhelm Heitmeyer zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit mitgearbeitet hat, geht davon aus, dass viele Menschen mit islamfeindlichen Einstellungen insgeheim mit diesen Hooligans sympathisieren. Dieses Potenzial liegt nach Heitmeyer immerhin bei knapp unter 20 Prozent in Deutschland. Also etwa jeder Fünfte fühlt sich "durch die Muslime oft wie ein Fremder im eigenen Land", so die Langzeitstudie, die vor zwei Jahren abgeschlossen wurde, und jetzt wieder aktueller denn je ist. Aber sind das nun alles Menschen, die sich den randalierenden wütenden weißen Männern anschließen?