Protestierende Hooligans am vergangenen Wochenende in Köln © Alexander Koerner/Getty Images

Auf der Bühne spielt die Rechtsrockband "Kategorie C", auf dem Platz johlen 3.000, zum Teil völlig betrunkene, breitschultrige Männer mit kurzen Haaren. Viele bekannte Neonazis stehen in der Menge. Sie skandieren "Wir wollen keine Salafisten-Schweine" und "Hier marschiert der Nationale Widerstand". Die Polizei ist lange Zeit kaum zu sehen und ist, als sie endlich auftaucht, völlig überfordert. Flaschen, Steine und Böller fliegen auf Beamte und Journalisten. Ein Vermummter wirft ein Fahrrad auf die Einsatzkräfte, ein größerer Mob schmeißt unter tosendem Beifall einen Polizeibus um.

Das alles ist keine Szene aus Rostock-Lichtenhagen 1992, sondern vom vergangenen Sonntag aus der Kölner Innenstadt. Und anders als damals in Rostock, hat die rechtsextreme Szene seit Wochen für das Spektakel mobilisiert, öffentlich für jeden im Internet einsehbar. Weit über 6.000 Teilnehmer hatten sich per Facebook angekündigt. Die Polizei ging von höchstens 1.500 rechten Hooligans aus und schickte nur 1.000 Beamte, die einen ungewöhnlichen Plan hatten: Deeskalationsstrategie.

Nun muss man sicher kein Experte sein, um zu ahnen, dass 3.000 betrunkene Neonazi-Hooligans nicht friedlich bleiben. Auch nicht, wenn ihr Zusammentreffen unter dem Deckmantel "gegen Salafisten" stattfindet. Die Bilanz: 44 verletzte Polizisten und gerade einmal 17 vorübergehende Festnahmen. Kaum einer der beteiligten Gewalttäter muss also eine Strafverfolgung fürchten.

Polizei wurde nicht überrascht

Zu Recht reagieren Politiker und antirassistische Gruppen mit Kopfschütteln über den misslungenen Polizeieinsatz. Dass die Polizei tatsächlich vom Fußball-Mob überrascht wurde, kann man sich angesichts der breiten Medienberichterstattung im Vorfeld kaum vorstellen. Geradezu absurd wirkt, dass Innenminister Ralf Jäger (SPD) nun sogar "eine positive Bilanz" des Polizeieinsatzes zieht und behauptet, das Konzept habe "funktioniert".

Besonders fragwürdig erscheint diese "Deeskalationsstrategie" im Hinblick auf die rechten Hooligans allerdings, wenn man sie mit der Härte vergleicht, mit der die Polizei üblicherweise gegen Demonstranten aus dem linken Lager vorgeht. So zum Beispiel bei den Blockupy-Protesten im vergangenen Jahr in Frankfurt am Main. Als dort gleich zu Beginn ein paar Silvesterknaller explodierten, ging alles blitzschnell. Knapp 1.000 Demonstranten wurden mithilfe von Pfefferspray und Schlagstöcken zusammengedrängt und für Stunden eingekesselt. Hunderte kamen in Gewahrsam, 200 Demonstranten wurden verletzt. Aber das waren ja auch linksradikale Kapitalismusgegner und keine betrunkenen Hooligans.