Bayerns Finanzminister Markus Söder hat gefordert, dass die große Koalition wirtschaftsfreundlicher handeln müsse. Dafür sei es auch notwendig, den Koalitionsvertrag zu überprüfen, sagte der CSU-Politiker in der Bild am Sonntag. Durch die derzeitige wirtschaftliche Situation hätten sich die Voraussetzungen geändert. "Die Koalition kann nicht dogmatisch an allem unbeirrt festhalten, was vor einem Jahr vereinbart worden ist."

Es müsse deshalb einen "Konjunktur-Check für alle Vorhaben" der Regierung geben, forderte Söder. "Alles, was der Wirtschaft schadet, muss auf bessere Zeiten verschoben werden." Als Beispiel nannte er die geplante Pflegeauszeit, den Mindestlohn und die Rente mit 63.  Auf keinen Fall dürfe es dazu kommen, dass Hartz IV aufgeweicht werde und Teilzeitarbeit und Arbeitsbefristungen beschränkt würden, sagte Söder. 

In der vergangenen Woche hatte bereits CSU-Landeschefin Gerda Hasselfeldt gesagt, dass Union und SPD überlegen müssten, "ob wir alles, was im Koalitionsvertrag noch vereinbart ist, wirklich so ganz schnell umsetzen". Insbesondere die Einführung der Frauenquote würde die Wirtschaft belasten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte deutlich widersprochen. "Es ist beschlossen, das Gesetz für die Quote kommt", hatte sie gesagt. Die Argumente für und gegen eine Quote seien bekannt: "Noch länger darüber zu diskutieren, wäre müßig."

Anfang Oktober hatte das Wirtschaftsministerium mitgeteilt, dass die deutschen Unternehmen ihre Produktion deutlich heruntergefahren haben. Industrie, Baubranche und Energieerzeuger drosselten ihren Ausstoß demnach um 4,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Das ist das größte Minus seit Januar 2009.

Die Bundesregierung senkte darauf hin ihre Wachstumsprognose deutlich. Die Wirtschaft werde in diesem Jahr nur um 1,2 Prozent wachsen, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in der vergangenen Woche. Im Februar 2014 hatte die Bundesregierung noch ein Wachstum von 1,8 Prozent erwartet.