Die Pflege von Angehörigen soll erleichtert werden. © Daniel Reinhardt/dpa

1,8 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland werden zu Hause versorgt. In Zweidrittel dieser Fälle tragen Angehörige die Hauptlast. Beruf und Pflege zu verbinden, war bisher oft schwierig. Zwar hatte bereits die schwarz-gelbe Regierung eine Familienpflegezeit eingeführt. Die wurde allerdings kaum angenommen. Bisher sei nur in 134 Fällen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht worden, sagt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD).

Am Mittwoch wird das Kabinett ein Gesetz beschließen, das die Familienpflegezeit attraktiver und praktikabler machen soll. Die wichtigsten Änderungen:

Was ist, wenn ein Angehöriger akut pflegebedürftig wird?

Schon bisher konnte sich jeder Beschäftigte von seiner Arbeit zehn Tage auch kurzfristig frei nehmen, falls es in seiner Familie einen Pflegefall gab. Neu ist nun, dass er dafür ab Januar 2015 eine Lohnfortzahlung erhält. Diese beträgt bis zu 90 Prozent des Nettolohnes und wird von der Pflegeversicherung übernommen.

Was ist, wenn die Pflege mehr Zeit in Anspruch nimmt?

Schon jetzt können Angehörige sich in einer solchen Situation bis zu sechs Monate beurlauben lassen – allerdings unbezahlt. Künftig können pflegende Angehörige ein zinsloses Darlehen beantragen, um einen Teil ihres Verdienstausfalles auszugleichen. Wenn die Rückzahlung in besonderen Härtefällen nicht möglich sein sollte, springt der Staat ein. Die Pflegepersonen sind in dieser Zeit weiter sozialversichert. Dem Arbeitgeber muss die Auszeit mindestens zehn Tage vorher angekündigt werden.

Und wenn sechs Monate auch nicht reichen?

Auch bisher schon gab es die Möglichkeit, die Arbeitszeit zwei Jahre lang für die Pflege von Angehörigen zu reduzieren. Diese sogenannte Familienpflegezeit wird nun aber mit einem Rechtsanspruch versehen. Sie muss dem Arbeitgeber mindestens zwölf Wochen vor Beginn angekündigt werden. Allerdings muss die Pflegeperson nach den ersten sechs Monaten mindestens 15 Stunden in der Woche arbeiten. Auch während dieser Zeit kann der Verdienstausfall mit einem zinslosen Darlehen teilweise ausgeglichen werden.

Außerdem können Angehörige ihre Arbeitszeit für drei Monate ganz oder teilweise reduzieren, wenn sie einen Menschen in seiner letzten Lebensphase begleiten. Das gilt auch dann, wenn der Kranke nicht zu Hause sondern zum Beispiel im Hospiz gepflegt wird.

Was ist, wenn ein Kind im Krankenhaus oder Hospiz ist?

Auch in diesem Fall können Angehörige künftig eine sechsmonatige, unbezahlte Auszeit nehmen oder ihre Arbeitszeit unter den genannten Bedingungen für 24 Monate reduzieren.

Wie lange darf man insgesamt seine Arbeitszeit für die Pflege reduzieren?

Maximal für 24 Monate. Wenn man bis zu sechs Monate ganz aussetzt, bleiben anschließend also noch 18 Monate, in denen man weniger arbeiten kann.

Wann gilt der Rechtsanspruch nicht ?

Der Rechtsanspruch gilt nur für Arbeitgeber mit mehr als 15 Beschäftigten.

Gibt es auch ein Rückkehrrecht in den Job?

Ja, wer für die Pflege von Angehörigen ganz oder teilweise aussetzt, hat die Möglichkeit, anschließend seinen Job in dem Umfang wieder aufzunehmen, in dem er davor gearbeitet hat.

Können sich mehrere Familienmitglieder die Pflegezeit teilen?

Das ist möglich. Die zehntägige Auszeit kann nur einer nehmen, anschließend können sich aber zum Beispiel Kinder oder Ehepartner bei der Pflegezeit abwechseln.

Wer gilt als Angehöriger?

Bisher waren das Großeltern und Eltern, Schwiegereltern, Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer eheähnlichen Gemeinschaft, Geschwister, Kinder, Adoptiv- und Pflegekinder, Adoptiv- oder Pflegekinder des Ehegatten oder des Lebenspartners, Schwieger- und Enkelkinder.

Hinzu kommen nun auch Stiefeltern, Schwägerinnen und homosexuelle Partner, auch wenn keine eingetragene Lebenspartnerschaft besteht.