Die große Koalition plant, Sterbehilfevereine zu verbieten. Der Chef der Unionsfraktion, Volker Kauder, sagte der Bild am Sonntag, "keine Form der organisierten Sterbehilfe" dürfe zugelassen werden. "Ich schlage vor, dass wir im nächsten Jahr das Verbot der organisierten Sterbehilfe durch Vereine oder geschäftsmäßige Organisationen gemeinsam im Bundestag verabschieden."

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach stimmte Kauder zu. Derzeit werde es "obskuren Sterbehilfevereinen" überlassen, Menschen dabei zu assistieren, sich selbst zu töten. Zudem forderte er, dass geklärt werden müsse, ob Ärzte sich an einem assistierten Suizid beteiligen dürften.

Ein Gruppe von Politikern der schwarz-roten Koalition hatte am Donnerstag ein Positionspapier für ein Gesetz zur Sterbehilfe vorgelegt. Demnach soll es Ärzten künftig möglich sein, sterbenskranken Menschen während ihres Suizids zu helfen.

Diese Form der Beihilfe werde von einem Großteil der Deutschen befürwortet, berichtet die Bild am Sonntag und beruft sich auf eine repräsentative Emnid-Umfrage. 77 Prozent seien dafür, dass Ärzte Sterbehilfe leisten dürfen – 17 Prozent seien dagegen.

Ärzte lehnen Gesetzesentwurf ab

Abgelehnt wird der Gesetzesentwurf aber von der Ärzteschaft. "Dieser Vorschlag mündet in die Freigabe einer aktiven Sterbehilfe", sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Der Arzt soll Hilfestellung bei der Selbsttötung leisten und eine medizinische Grundlage ärztlicher Fachkenntnisse liefern. Damit aber ist die Grenze zur Tötung auf Verlangen klar überschritten."

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sprach sich gegen eine von Ärzten angeleitete Selbsttötung aus. Jegliche Form organisierter Sterbehilfe müsse Verboten werden, forderte das ZdK in einer Mitteilung. Gleichzeitig müsse aber die pflegerische und medizinische Sterbebegleitung verbessert werden.

Der Deutsche Ärztetag hatte 2011 mit einer Dreiviertel-Mehrheit beschlossen, dass es nicht die Aufgabe eines Arztes sei, Menschen während eines Suizids zu assistieren. Der Entscheidung war eine Debatte unter den Medizinern vorausgegangen, die vier Jahr gedauert hatte.