Deutschland muss einem Bericht zufolge in den kommenden Jahrzehnten deutlich mehr Atommüll entsorgen als bislang angenommen. Allein die Menge des schwach- und mittelradioaktiven Abfalls, für den bei Salzgitter derzeit das Endlager Schacht Konrad errichtet wird, könnte sich verdoppeln, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Dies gehe aus einem Entwurf des nationalen Entsorgungsplans hervor, den die Bundesregierung mit den Ländern abstimmt.

In dem Dokument zählt der Bund dem Bericht zufolge erstmals auch Abfälle aus der Urananreicherungsanlage in Gronau als Atommüll mit. Dessen Betreiber Urenco lagert dort derzeit 13.000 Tonnen sogenannte Uran-Tails, die bei der Anreicherung übrig bleiben. Bislang gingen diese Mengen als Wertstoffe durch, aus denen sich noch Kernbrennstoffe fertigen lassen.

Der Bund rechnet in dem Entsorgungsplan nun mit bis zu 100.000 Kubikmetern Atommüll allein aus der Urananreicherung. Weitere 200.000 Kubikmeter kämen hinzu, wenn das ungeeignete Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel geräumt wird. Dort lagern 126.000 Fässer Atommüll, die geborgen und neu verpackt werden sollen, um in ferner Zukunft in einem tauglichen Endlager zu landen. Aus Gründen der Vorsorge sei schonungslos abgerechnet worden, zitierte die Süddeutsche Zeitung aus dem Bundesumweltministerium.

Ziel sind dem Entsorgungsplan zufolge zwei Endlager für den Atommüll: Schacht Konrad für Abfälle, die wenig Wärme entwickeln, sowie ein zweites für den "heißen", in Castoren gelagerten Atommüll. Mit der Suche danach befasst sich derzeit eine Bund-Länder-Kommission. Wie es in dem Bericht weiter heißt, wird auch eine Vergrößerung von Schacht Konrad "nicht ausgeschlossen". Die Grünen begrüßten den Entwurf. Die "ehrliche Einbeziehung" der Urenco-Abfälle sei sehr positiv, sagte die Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl der Zeitung. Nötig sei nun, die Anreicherung in Gronau ganz zu beenden.

Es gibt allerdings noch weiteren Ärger: Wie das Politikmagazin Panorama 3 berichtet, lagern an deutschen AKW-Standorten, Zwischenlagern oder anderen Sammelstellen tausende verrostete Fässer mit Atommüll. Eine Umfrage der Redaktion unter den Aufsichtsbehörden aller 16 Bundesländer ergab, dass die Behörden fast 2.000 verrostete oder beschädigte Behälter mit Atommüll verzeichnet haben. Obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist, habe die Bundesregierung bis heute keine umfassende Übersicht über den Zustand der schwach- und mittelradioaktiven Abfälle in Deutschland. Insgesamt gibt es rund 85.000 Fässer mit radioaktivem Abfall in Deutschland.