Im festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn hat ein Spitzengespräch des Konzerns mit den beiden konkurrierenden Gewerkschaften GDL und EVG keine Fortschritte gebracht. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erklärte das Gespräch für gescheitert und machte die Haltung der Lokführergewerkschaft GDL dafür verantwortlich. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber kündigte im Deutschlandfunk an, sein Unternehmen werde mit beiden Gewerkschaften nun getrennte Tarifverhandlungen führen. Beiden werde jeweils ein Angebot zu deren Forderungen vorgelegt. Am Freitag um 11 Uhr gebe es zunächst Gespräche mit der EVG, voraussichtlich um 16 Uhr folge dann ein Treffen mit der GDL.

"Es geht darum, mit beiden Partnern zu Abschlüssen zu kommen", sagte Weber. Dabei sei ein einheitlicher Tarifvertrag in den jeweiligen Berufsgruppen das erklärte Ziel des Unternehmens. Alles andere bringe Unfrieden. Weber appellierte an die Gewerkschaften, Rücksicht auf die Belegschaft und das Unternehmen zu nehmen. Die Bahn könne sich den Tarifkonflikt keinen Tag länger leisten. Um aus der Misere herauszukommen, sieht Weber nur einen Weg: "Verhandeln, verhandeln, verhandeln."

GDL und EVG streiten darüber, welche Gewerkschaft für welche Berufsgruppen Tarifverhandlungen führen soll. Die GDL will für das gesamte Zugpersonal verhandeln und nicht nur für die Lokführer. Die EVG habe es in dem Spitzengespräch erneut abgelehnt, dass es bei der Bahn "innerhalb einer Berufsgruppe unterschiedliche Tarifverträge gibt", sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner. Die Gewerkschaft stehe für Tarifeinheit und werde dafür mit allen Mitteln kämpfen. Kirchner forderte von der Bahn, dass diese wie ursprünglich geplant ausschließlich mit der EVG die Tarifverhandlungen fortsetzen solle. Für gemeinsame Verhandlungen mit der GDL sehe man keinen Raum mehr.

Auch die Bahn will konkurrierende Verträge für eine Berufsgruppe vermeiden. Der Konzern teilte mit, es sei "nicht gelungen, sich auf ein Verfahren zu verständigen, bei dem die berechtigten Interessen aller Beschäftigten gesamthaft von den beteiligten Gewerkschaften vertreten werden".