Schiff der russischen Marine im Hafen von Sewastopol auf der Krim am 4. November 2014 © Pawel Rebrow/Reuters

Einer Umfrage zufolge sind 39 Prozent der Bundesbürger dafür, die Aufnahme der ukrainischen Halbinsel Krim in die Russische Föderation anzuerkennen. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap, die am Sonntagabend in der ARD-Sendung Günther Jauch veröffentlicht wurde. Abgelehnt wurde ein solcher Schritt von 48 Prozent der Befragten.

Auch im Hinblick auf die Außenpolitik des russischen Präsidenten Wladimir Putin sind die Deutschen gespalten: Während mehr als die Hälfte (54 Prozent) diese als Bedrohung für Deutschland empfindet, sehen 43 Prozent der Befragten in der russischen Außenpolitik keine unmittelbare Gefahr. Grundlage der Erhebung ist eine Umfrage unter 1.000 Befragten ab 14 Jahren.

Die Diskussion über eine mögliche Anerkennung der Krim-Annexion hatte der frühere brandenburgische Ministerpräsident und Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck, ausgelöst. Platzeck hatte vorgeschlagen, die Angliederung der Krim an Russland nachträglich völkerrechtlich zu legitimieren.

Platzeck forderte in der ARD-Sendung den Westen auf, auf Putin zuzugehen. Ein Krieg von Monologen und Dämonisierung helfe nicht weiter, sagte der frühere SPD-Chef. Putin sei nun mal russischer Präsident und werde das vorerst auch bleiben. Wer Lösungen finden und weiteres Blutvergießen verhindern wolle, müsse "mit dieser Tatsache umgehen, muss einen Draht suchen, muss den Dialog nicht abrechen, sondern immer wieder führen und am Ende Lösungen suchen, die für beide tragfähig sind".

Platzeck räumte ein, dass seine Forderung, die russische Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim nachträglich zu legalisieren, missverständlich gewesen sei. Dieser Satz habe zu Fehlschlüssen geführt. Tatsächlich habe er gemeint, er fände es gut, "wenn Moskau und Kiew die Kraft und den Mut fänden, die Krimfrage völkerrechtlich zu regeln" – und zwar so, dass es völkerrechtlich für beide Seiten hinnehmbar sei.

Unions-Fraktionsvize Andreas Schockenhoff (CDU) forderte im Deutschlandfunk, die Anbindung des Petersburger Dialogs an das Deutsch-Russische Forum zu beenden. Platzeck fehle die kritische Distanz, sagte Schockenhoff. Am Sonntag war ein vom Kanzleramt befürwortetes Eckpunktepapier bekannt geworden, wonach das deutsch-russische Gesprächsforum Petersburger Dialog grundlegend reformiert werden soll.