Die Koalitionsspitzen haben sich auf einen Kompromiss im Streit über eine gesetzliche Frauenquote verständigt. Die geplante Quote von mindestens 30 Prozent für die Aufsichtsräte von rund 100 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen komme ohne Ausnahmen, verlautete am Dienstagabend aus Koalitionskreisen am Rande der Beratungen der Partei- und Fraktionschefs von CDU, CSU und SPD. Das Gesetz soll am 11. Dezember vom Kabinett verabschiedet werden, hieß es in einer Erklärung.

Es bleibt demnach bei den von Familienministerin Manuela Schwesig und Justizminister Heiko Maas, beide SPD, vorgesehenen Sanktionen gegen Unternehmen, die die Quote unterschreiten: Wenn keine geeignete Frau gefunden werden kann, soll der Posten unbesetzt bleiben. Auch für den öffentlichen Bereich soll nach der schwarz-roten Koalitionsvereinbarung eine Quote eingeführt werden. 


Gerungen wurde bis zuletzt vor allem um technische Details und Forderungen aus CSU und CDU nach Ausnahmen für Härtefälle unter den Unternehmen. Es soll nun zudem dabei bleiben, dass sich 3.500 mittelgroße Unternehmen, die mitbestimmungspflichtig oder börsennotiert sind, eigene Zielvorgaben beim Frauenanteil in den Führungsetagen setzen sollten.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hatte am Morgen Empörung beim Koalitionspartner SPD ausgelöst, als er Schwesig im Streit um die Quote Weinerlichkeit vorwarf. SPD-Chef Sigmar Gabriel unterstellte Kauder daraufhin ein Problem mit Frauen: "Wenn Männer das als nervig empfinden, zeigt das eher, dass Männer ein Problem haben." SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sprach von Macho-Gehabe und schlechter Kinderstube.

Der Koalitionsrunde war ein Spitzentreffen vorausgegangen, an dem neben Schwesig und Maas auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kanzleramtschef Peter Altmaier teilnahmen.