Unerwünschte Aktivitäten mehrerer Linksfraktionsabgeordneten haben Fraktionschef Gregor Gysi vor Probleme gestellt. Weil er ein Treffen der Parlamentarier mit zwei extrem israelkritischen Publizisten verhindern wollte, verfolgten die ihn mit laufender Kamera durch die Gänge des Bundestages und versuchten, ihn zur Rede zu stellen. Gysi verweigerte die auf diesem Wege erzwungene Auskunft.

Organisiert hatten den Besuch der beiden Publizisten Max Blumenthal und David Sheen die Abgeordneten Inge Höger und Annette Groth. Für ein Treffen in Räumen des Bundestages ist Högers Kontaktadresse angegeben. Beide zählen zu scharfen Israelkritikern in der Fraktion. Sie waren mit auf dem Schiff Marvi Marmara, das im Mai 2010 versuchte, eine im Mittelmeer verhängte Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen.  

Geplant waren am Nachmittag des 9. Novembers Vorträge der beiden Gäste in der Volksbühne Berlin – ausgerechnet am Jahrestag der Reichspogromnacht. Am 10. sollte ein Treffen im Bundestag folgen, am 11. eine Veranstaltung in der TU Berlin. 

Die Anwesenheit Blumenthals und Sheens hätte dem Ansehen Deutschlands in Israel aus Sicht von Fachleuten schaden können. Abgeordnete von Grünen und Linken sowie der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Reinhold Robbe, warnten in einem Brief an die Volksbühne, die beiden Referenten seien bei der angestrebten Lösung des Nahost-Konfliktes "keine fachkundige Hilfe". Sie würden bei ihren Auftritten "antisemitische Ressentiments bedienen und die Terrorherrschaft der Nazis durch Vergleiche mit der israelischen Regierung relativieren", sagte Robbe. Das Theaterhaus sagte die Veranstaltung daraufhin ab. Auch Gysi wollte offenbar eine Anti-Israel-Kampagne mit dem Label der Linksfraktion verhindern und unterstützte die Absage. Die beiden Gäste waren gezwungen, außerhalb des Gebäudes zu sprechen.

Die Abgeordnete Groth kritisierte öffentlich den Beschluss und rief zum Protest auf. Beide Abgeordneten versicherten laut Berliner Morgenpost jedoch, dass sie nie eine Veranstaltung organisieren wollten, in der zum Hass gegen Israel oder zu einer Delegitimierung des Staates aufgerufen werden sollte.

Das im Bundestag geplante "Fachgespräch" fand statt – die frei gewählten Abgeordneten dürfen empfangen, wen immer sie wollen. 

Wie nun bekannt wurde, versuchten die beiden Publizisten, Gysi zur Rede zu stellen. Ein Video zeigt, wie sie ihm durch die Gänge des Bundestages nacheilen und eine Entschuldigung verlangen. Sheen wirft Gysi vor, ihn öffentlich als Antisemiten verunglimpft zu haben. Gysi entzieht sich den aggressiv gestellten Fragen. "Hauen Sie ab", ruft er und drückt mit zorniger Miene eine Zwischentür zu, die zu einer Toilette führt.   

Ein Sprecher der Linksfraktion sagte auf Nachfrage, die beiden Filmemacher hätten durch ihr Tun bestätigt, "dass man auf dieser Basis nicht miteinander reden kann". Die Entscheidung, die Veranstaltung in der Volksbühne abzusagen, "war völlig richtig". Die Behauptung , dass Gysi Sheen als Antisemiten bezeichnet habe, "weisen wir zurück", sagte der Sprecher.