Teilnehmer der Hooligan-Demonstration in Hannover © Alexander Koerner/Getty Images

Beginnen wir mit dem wenigen, das unstrittig ist: Der ehemalige zentrale Busbahnhof hinter dem Hannoveraner Hauptbahnhof ist wirklich sehr hässlich. Graues Niemandsland zwischen breiten Straßen, am Ende eine noch grauere Hochhaussünde, die vielleicht nicht leer steht, aber trotzdem so aussieht. Das findet nicht nur die sogenannte Mainstream-Presse, das sehen auch die Hooligans so. "Boah ist das hässlich hier", sagen sie. Dann sagen sie leider nicht mehr viel, zumindest nicht zu Journalisten. Da beginnt ja das Problem schon, an diesem Samstagmittag in Hannover.

Vor zwei Wochen haben sich unter dem Motto "Hooligans gegen Salafisten" fast 5.000 Menschen in Köln versammelt. Die Polizei war offenbar überrascht von der Aggressivität, am Ende war ein Polizeibus umgekippt, 49 Polizisten wurden verletzt. Vor allem aber diskutierte die Öffentlichkeit, was das nun war. Politisierte Fußballfans? Nazis? Gewaltverliebte? Oder gute deutsche Bürger? Letzteres las man zwar fast nirgendwo, aber das heißt nicht, dass es nicht doch Menschen so sehen. Denn das ist ja eine der Behauptungen jener, die sich in Hannover versammelt haben: Die öffentliche Meinung und die veröffentlichte Meinung sind längst nicht mehr das selbe. Lügenpresse, Hasspresse, Gleichgeschaltete. So sehen sie das, und warum soll man denn mit denen noch reden. Stattdessen lächelt man freundlich und warnt.

Ordner kommen zu den Journalisten und sagen "Guten Tag". Dann: "Wir wollen euch freundlich darauf hinweisen, dass wir für Eure Sicherheit nicht garantieren können. Es gibt ja immer zwei, drei Verrückte. Schönes Wochenende!" Ebenfalls, sagen die Journalisten.

Viele Männer mit Stiernacken, kahlen Köpfen, schwarzen Klamotten

Die meisten von ihnen haben es gar nicht auf das Gelände geschafft. Weil auch die Polizei, die diesmal geschätzt einen Beamten pro Demonstranten stellt, nicht genau weiß, ob die Pressevertreter bei den Hooligans sicher sind, lässt sie diese gar nicht erst dorthin. Und so stehen sie außen herum an den Zäunen und halten die Objektive in die schwarzgekleidete Menge. "Das ist ja wie im Zoo", sagen die Kameraleute. Und der Mann auf der Bühne sagt: "Es nervt mich total, dass wir hier mit tausend Kameras angeschaut werden, als wären wir im Zoo."

Was also passiert im Zoo? Viele, viele Männer mit Stiernacken, kahlen Köpfen und schwarzen Klamotten stehen da herum. Sie haben ihre Gesichter schon verhüllt, als sie aus dem dunklen Bahnhofstunnel auf das Gelände kamen. Es ist aber auch kalt. Nun rufen sie alle paar Minuten "Wir wollen keine – Salafistenschweine!" Oder sie recken die Faust und grölen "Deutschland, Deutschland!" Die Nationalflagge ist übrigens die einzige, die die Veranstalter erlaubt haben. Alles andere sähe wohl zu rechts aus. Das steht so in der selbst gegebenen Hausordnung, in der auch steht, dass man doch bitte keinen Alkohol trinken soll. Man scheint sich daran zu halten.

Wobei so ein Schnaps helfen würde gegen die Kälte, und vielleicht würde er auch die Zunge all derer lockern, die sich der Presse ganz einfach verweigern, weil sie eh der Feind ist. So reden nur einige wenige. Zum Beispiel ein junger Mann, der sich Ben nennt, denn "das muss reichen", und heute für die Demo-Veranstalter spricht. Das Ganze sei keine politische Veranstaltung und außerdem gehe es nicht um den Islam, sondern nur um die radikalen Salafisten. "Jeder Muslim ist hier willkommen, aber lasst eure Konflikte bitte zu Hause", sagt Ben. Und die Demonstranten, die Hooligans? "Das sind sicher nicht alles brave Schuljungs hier, vielleicht sind auch ein paar Vorbestrafte dabei, aber eben auch die 45-jährige Hausfrau." Wo sie denn sind auf dem Bahnhofsplatz, die mittelalten Hausfrauen? Ben kann keine zeigen.

Dabei steht da doch eine, zumindest. 52 Jahre alt ist sie und sieht so gar nicht nach Hooligan aus, so wie Ben das mag. Sie wählt AfD und hat vor einigen Jahren begonnen, "sich mal mehr mit Politik zu beschäftigen". Damals habe ein Mitschüler ihrem kleinen Sohn gesagt, er solle verschwinden, das sei ihre Schule. "So ein Türkenjunge, die da alles bevölkern." Jetzt informiere sie sich außerhalb der Mainstream-Medien und bekäme dadurch viel mit. Beruflich liest sie Gerichtsurteile, die "kultursensibel" ausfallen. Also: Milde für die Ausländer. Denn "wenn man die Täter benennt, gibt’s nämlich Unruhe im Land". Was ihr Beruf ist, möchte sie lieber nicht sagen. Dafür sagt sie noch, dass sie sich davor fürchtet, dass die Muslime sie hier in Deutschland irgendwann mal umbringen.