Kinder und Jugendliche sollen künftig besser vor sexuellem Missbrauch und Nacktaufnahmen geschützt werden. Dafür hat der Bundestag eine Verschärfung des Sexualstrafrechts beschlossen. Demnach macht sich künftig unter anderem strafbar, wer Kinder und Jugendliche nackt fotografiert, um die Aufnahmen zu verkaufen oder zu tauschen. 

Ursprünglich hatte Justizminister Heiko Maas (SPD) eine weitreichendere Regelung geplant. Nach Einwänden von Experten und Rechtspolitikern hatte er die Pläne aber kurz vor der Abstimmung im Parlament noch entschärft.

Mit der Gesetzesänderung reagiert die Bundesregierung auch auf den Fall des früheren SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy. Er war zunächst wegen des Besitzes nicht eindeutig pornografischer Aufnahmen unter Verdacht geraten. Inzwischen ist er wegen des Besitzes von Kinderpornografie angeklagt.

Ein weiterer wichtiger Punkt des verschärften Gesetzes: Sexualstraftaten sollen künftig später verjähren. Auch "Cyber-Grooming" soll umfangreicher geahndet werden. Darunter versteht man Versuche eines Erwachsenen, unter falschen Angaben über das Internet Kontakt zu Kindern aufzunehmen, um sie zu sexuellen Handlungen zu bewegen.

Kritik kam von der Opposition. "Es ist gut, dass der Bundestag die Rechte und den Schutz der Kinder gestärkt hat", betonte die Vorsitzendes des Rechtsausschusses Renate Künast (Grüne) zwar. Was Schwarz-Rot aber zum Persönlichkeitsschutz im Strafrecht beschlossen habe, sei ein Unding, sagte sie ZEIT ONLINE. "Hier entstehen absurde Fälle, die künftig von der Staatsanwaltschaft ermittelt werden müssen." 

Künast kritisierte außerdem, wie das Gesetz durch den Bundestag gebracht worden sei. Solche tiefgreifenden Änderungen ließen sich nicht mal eben von einem Tag auf den anderen machen. "Wenn weder die Wissenschaft, noch die Opposition 24 Stunden Zeit haben, um sich solch riesige Änderungen anzuschauen, kann nur Murks dabei heraus kommen."