Eine Woche vor der Wahl des Ministerpräsidenten in Erfurt positioniert sich die AfD-Fraktion in Thüringen in der Frage, welche Kandidaten anderer Parteien sie unterstützen würde. "Wir werden den Postkommunisten Ramelow nicht wählen", sagte Fraktionschef Björn Höcke der ZEIT. "Wir werden aber auch die Politikverwalterin Christine Lieberknecht nicht mittragen, weil sie für all das steht, was uns die Merkel-CDU zu einem roten Tuch macht", sagte Höcke. Es gebe allerdings durchaus Unionspolitiker, auf die sich die AfD-Fraktion einigen könnte.

"Ich denke, wenn CDU-Fraktionschef Mike Mohring gegen Ramelow antritt, kann er nach menschlichem Ermessen mit allen elf Stimmen der AfD-Fraktion rechnen", sagte Höcke. "Mohring ist ein profilierter Konservativer. Er ist ein junger Stürmer und voll im Saft", sagte Höcke. Sogar den jetzigen Landtagspräsidenten Christian Carius würde die AfD notfalls wählen. "Carius wäre im Zweifel für uns noch tragbar. In jedem Fall müsste die CDU uns ein gutes Angebot machen", sagte Höcke.

Die Thüringer CDU hatte zuvor einen Gegenkandidaten zum Linken-Politiker Bodo Ramelow angekündigt. Die CDU-Landesvorsitzende und amtierende Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht ließ nach einer Landesvorstandssitzung aber offen, ob sie selbst gegen Ramelow antreten wird. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa soll die Nominierung nächste Woche durch die Fraktion erfolgen.

Entscheidung fällt spätestens im dritten Wahlgang

Die Wahl ist für kommenden Freitag, den 5. Dezember geplant. Erstmals könnte ein Linken-Politiker Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes werden. Die Fraktionen von Linken, SPD und Grünen haben seit der Landtagswahl im September eine Stimme Mehrheit im Landtag.  

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen ZEIT, die Sie ab Donnerstag am Kiosk und schon ab Mittwoch online kaufen können.

Die Landesverfassung sieht vor, dass im dritten Wahlgang in jedem Fall ein neuer Regierungschef gewählt wird. Dabei hätte ein Kandidat der CDU-Fraktion nur dann realistische Chancen, zum Regierungschef gewählt zu werden, wenn er neben Abweichlern von Linken, SPD und Grünen auch die AfD-Fraktion auf seine Seite ziehen kann. Da es bei SPD und Grünen grundsätzliche Bedenken gegen eine Koalition mit der Linkspartei gibt, spekulieren CDU und AfD auf Abweichler in den rot-rot-grünen Reihen bei der geheimen Abstimmung.