Die thüringische CDU-Vorsitzende Christine Lieberknecht gerät in der eigenen Partei immer stärker unter Druck. "Christine Lieberknecht wäre gut beraten, wenn sie am Sonnabend beim Treffen des Landesvorstands mit den Kreischefs bekannt geben würde, beim Parteitag am 13. Dezember nicht erneut als Vorsitzende anzutreten", sagte die Vizevorsitzende der Landtagsfraktion, Christina Tasch, der Thüringischen Landeszeitung (TLZ). "Ich sehe Fraktionschef Mike Mohring als neuen CDU-Landesvorsitzenden." 

Auch der Landesvorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT), Gerd Albrecht, sprach sich für Mohring an der Spitze der Thüringer CDU aus. Er wäre "ein guter Parteivorsitzender", sagte er der Zeitung.

Die Diskussion um eine Ablösung der CDU-Vorsitzenden hält Landtagspräsident Christian Carius für wenig zielführend. Er warf Landtags-Vize Tausch fehlenden Anstand vor. Lieberknecht wisse selbst sehr gut, was sie zu tun habe, sagte er. Manche angeblichen Ratschläge seien "eher als Schlag denn als Rat zu verstehen". Bauminister Carius forderte die Thüringer CDU auf, einen kühlen Kopf zu bewahren. Er selbst gilt als Möglicher Anwärter auf den Spitzenposten in der Partei. 

Auch die Junge Union in Thüringen wirft Lieberknechts Kritikern fehlende Solidarität vor. Die Verantwortung für die derzeitige Situation liege bei vielen – auch bei Mike Mohring selbst, sagte Stefan Gruhner, Landeschef der Jungen Union der TLZ.

Schwieriges Verhältnis zwischen Lieberknecht und Mohring

Die Beziehung zwischen Christine Lieberknecht und Mike Mohring ist seit Jahren angespannt. Mohring gilt als enger Vertrauter des ehemaligen Ministerpräsidenten Dieter Althaus, den Lieberknecht vor fünf Jahren an der Spitze der CDU und auch an der Spitze der Landesregierung ablöste. Mohring hatte damals ebenfalls Ambitionen auf die beiden Posten. Er wurde lange als Nachfolger von Althaus gehandelt.

Die CDU hatte die Landtagswahl im September zwar gewonnen, der Partei fehlt aber ein Koalitionspartner. Am Mittwoch haben die Koalitionsverhandlungen für eine Regierung von Linken, SPD und Grünen begonnen. Rot-Rot-Grün würde die 24-jährige Regierungszeit der CDU in Thüringen beenden. Spitzenkandidat Bodo Ramelow könnte Anfang Dezember zum ersten Ministerpräsidenten der Linken in Deutschland gewählt werden.