Oberleutnant Moritz Wegmann ist 25 Jahre alt, ausgebildeter Kampfpilot und seit 2013 RPA-Führer. So kürzt die Bundesluftwaffe Piloten eines Remotely Piloted Aircraft ab, einer Drohne vom Typ "Heron I". Wegmann fliegt sie, wird in Zukunft aber wohl auch wieder Kampfjets steuern.

Hauptfeldwebel Matthias Kühl, 37 Jahre alt, ist Berufsunteroffizier und Payload Operator der Heron, also zuständig für die Sensoren und die Kameras der Drohne. Kühl arbeitet seit 2009 im Drohnenprogramm und gehörte zu den ersten zehn deutschen Soldaten, die dafür in Israel ausgebildet wurden. Er hat inzwischen 1.300 Flugstunden mit der Heron absolviert.

Beide Soldaten waren schon oft in Afghanistan, Kühl zusammen genommen mehr als 800 Tage. Es sind nicht ihre richtigen Namen, die hier genannt werden. Beide baten darum, sie nicht zu veröffentlichen.

Zum Interview treffen wir uns in einem Büro in der Kaserne des Taktischen Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann" in Kropp/Jagel. Sind Wegmann und Kühl im Einsatz, dann sitzen sie "in der Box". So nennen sie den Container mit Bildschirmen und Knöpfen, der zuletzt in Mazar-i-Sharif aufgestellt worden ist. Von dort aus steuern sie eine Heron über Afghanistan. Wegmann fliegt, Kühl bedient die Kameras.

ZEIT ONLINE: Herr Wegmann, Herr Kühl, bitte erklären Sie einmal einem Nichtsoldaten: Was machen Sie da eigentlich? Was ist ein typischer Missionsauftrag für eine Heron-I-Drohne?

Moritz Wegmann, Pilot: Es gibt verschiedene Einsatzarten. Grob umrissen würde ich sagen: reine Überwachung, sei es von Gebäuden, Straßen, Komplexen. Es gibt verschiedene Anforderungsprofile, was auch immer der Kunde von uns möchte.

ZEIT ONLINE: Der Kunde – wer ist das?

Wegmann, Pilot: Das sind die Einheiten, die uns angefordert haben. Die sagen: Wir müssen wissen, wie viele Personen halten sich in diesem Gebäude auf, wo sind Zufahrtswege und Zufahrtsräume? Oft überwachen beziehungsweise kontrollieren wir Straßen oder Streckenabschnitte auf Gangbarkeit.

ZEIT ONLINE: Sie wollen also wissen, ob Soldaten die Straßen benutzen können?

Wegmann, Pilot: Ja, wir schauen zum Beispiel nach großen Regenfällen: Ist die Passstraße noch passierbar? Bei Überschwemmungen schauen wir: Wie ist die Situation am Ort? Das sind typische Aufträge. Bevor eine Patrouille rausgeht, waren wir meistens schon darüber, in den zwölf Stunden davor, und haben gecheckt, ob da große Hindernisse im Weg sind. Dann haben wir noch die Beobachtung und Überwachung von Zugriffen durch Spezialkräfte.

ZEIT ONLINE: Sie fliegen also über das Einsatzgebiet, um zu schauen, ob die Soldaten am Boden in einen Hinterhalt laufen? Und ob sich ihnen jemand nähert?

Wegmann, Pilot: Alles in dem Bereich. Meistens ist es so, dass wir vor den Patrouillen rausgehen, die Route checken, und dann fliegen wir zurück. Danach gehen wir zusammen mit den Fahrzeugen raus, wir überwachen in gewissem Abstand vor der Patrouille und neben der Patrouille den Weg. Und bei Pausen die Umgebung.

ZEIT ONLINE: Die fühlen sich am Boden sicher besser, wenn sie wissen, dass Sie sie oben begleiten?

Wegmann, Pilot: Ja. Das tun sie.

ZEIT ONLINE: Haben die Soldaten am Boden einen direkten Draht zu Ihnen?

Matthias Kühl, Payload Operator: Ja, per Funk. Das RPA hat ein eingebautes Com-Relay, und darüber sind wir verbunden.

ZEIT ONLINE: Sie bekommen also auch mit, was unten passiert?

Kühl, Payload Operator: Ja.

ZEIT ONLINE: Und Sie können darauf hinweisen: Schaut mal in die Richtung?

Kühl, Payload Operator: Das ist Sinn und Zweck der Sache. Im besten Fall hat der unten am Boden ein sogenanntes Rover-Terminal und kann das sehen, was wir sehen.

ZEIT ONLINE: Was sieht man von oben?

Kühl, Payload Operator: Jede Menge Steine. Sand. Esel, sehr viele Esel. Mal ein Kamel, Dromedare. Menschen, ob gut oder böse.

ZEIT ONLINE: Können Sie das unterscheiden?

Kühl, Payload Operator: Das kann man schlecht generell sagen. Manchmal ja, manchmal nein. Also, offensichtlich ja, wenn Waffen getragen werden.

ZEIT ONLINE: Die können Sie erkennen?

Kühl, Payload Operator: Wenn sie offen getragen werden, ja. Aber ich rede jetzt von einer Langwaffe. Eine Pistole oder so etwas erkennt man nicht. Oder den Selbstmordattentäter mit seiner Weste, den erkennt man auch nicht. Ja, was sehen wir noch?

Wegmann, Pilot: Autos, Motorräder...

ZEIT ONLINE: Können Sie Sprengsätze entdecken? Können Sie sehen, ob eine Straße teilweise aufgegraben wurde und ein improvised explosive device, eine IED dort versteckt wurde?

Kühl, Payload Operator: Man sieht durchaus im Infrarot die Veränderungen in der Straßenoberfläche. Das sieht man sofort, wenn einer gebuddelt hat. Dann ist der kalte Sand aufgewühlt, das erkennt man.

ZEIT ONLINE: Für wie lange?

Kühl, Payload Operator: Das kommt darauf an, wie die Umgebungstemperatur ist. Wir reden im Sommer, wenn es sich um Asphalt handelt, von bestimmt 60 bis 70 Grad auf dem Asphalt. Da verschwindet so etwas relativ zügig. Wenn die Außentemperatur mit der Bodentemperatur im Einklang ist, verschwindet sowieso alles. Die Körpertemperatur von Menschen ist 38,5 Grad, der verschwindet auch relativ zügig, wenn man nicht ein gutes Auge hat. Im Winter ist so etwas aber gut zu erkennen. Da kann man das mehrere Stunden lang sehen. Wir reden von einem Zeitfenster von sechs bis acht Stunden. Es ist schwierig, ein dünnes Kabel zu entdecken, aus einer Entfernung von dreieinhalb bis vier Kilometern Höhe. Da erkennt man wirklich nur, dass Erde darüber geschüttet wurde.

ZEIT ONLINE: Aber das können Sie sehen?

Kühl, Payload Operator: Mit einem guten Auge, und man muss auch sagen, zum Teil mit Glück, ja. Wenn Sie Straßen da mal gesehen haben, da ist halt Loch an Loch. Und es kommt auf den Zeitpunkt an. Wenn ich jetzt einen Straßenabschnitt habe, und ich fange vorne an, und der Straßenabschnitt ist so lang, dass ich ungefähr vier Stunden für den gesamten Abschnitt brauche, kann ich nicht wissen, ob nicht in den letzten vier Stunden vorne einer gegraben hat.

ZEIT ONLINE: Es gibt also immer noch eine Restunsicherheit?

Kühl, Payload Operator: Na klar. Das ist abhängig von allen möglichen Sachen. Und wir haben ja auch kein Boden-penetrierendes Radar. Damit wäre es vielleicht möglich.