Es war ein großes Versprechen, das Peter Tauber bei seiner Bewerbungsrede als Generalsekretär gab: Die CDU wolle "die Union für Zuwanderer" werden, verkündete er im April ziemlich vollmundig. 

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wenn Deutschland ein Zuwanderungsland ist, was auch die CDU eingesehen hat, dann kann es sich die stärkste deutsche Partei auf Dauer nicht leisten, für diese wichtige Gruppe unattraktiv zu sein. Bei der vergangenen Bundestagswahl hatten immerhin neun Prozent aller Wahlberechtigten einen Migrationshintergrund. 

Doch wenn man sich die Schwerpunkte der CDU für ihren Parteitag in der kommenden Woche ansieht, hat man nicht den Eindruck, dass sie es mit ihrem Wunsch, bunter zu werden, allzu ernst meint. Dort soll nämlich in erster Linie die Kernklientel der Partei umworben werden. Es geht um Wirtschaft und Sicherheit. 

Migranten kommen in den Anträgen, die der Bundesvorstand auf dem Parteitag einbringen will, nur in zwei Varianten vor: als gut ausgebildete Fachkräfte, die für die Zuwanderung nach Deutschland bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen; und als potentielle Gefahr.

An der Lebenswirklichkeit vorbei

So bekommt die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus im Antrag zur Sicherheitspolitik großen Raum. Beschließen will die CDU zum Beispiel, dass Doppelstaatlern die Staatsangehörigkeit entzogen werden kann, wenn sie sich im Ausland einer terroristischen Gruppe anschließen. Dass längst nicht geklärt ist, ob das rechtlich überhaupt möglich wäre, stört den Bundesvorstand nicht. Es soll hier um ein Signal gehen, vor allem an die Deutschen ohne Migrationshintergrund.

Der Großteil der Menschen mit ausländischen Wurzeln, bei denen es sich weder um bestens ausgebildete Fachkräfte noch um radikale Islamisten handelt, dürfte sich in den Debatten auf dem Parteitag nicht wiederfinden.

Ihre konkreten Probleme zum Beispiel im Bereich Bildung und Ausbildung oder bei der Arbeitssuche kommen höchstens als Randnotiz vor. Erst recht stellt sich die CDU nicht die Frage, wie sich die deutsche Gesellschaft womöglich verändern müsste, wenn Integration gelingen soll.

Diskutieren will die Partei stattdessen ein Burka-Verbot. Dazu gibt es einen Antrag des Kreisverbandes Frankfurt. Prominente Unterstützung fand diese Forderung unlängst von der stellvertretenden Parteivorsitzenden Julia Klöckner.   

Solange die CDU solche marginalen Schein-Probleme aufbauscht, um der eigenen, deutschstämmigen Klientel zu gefallen, dürfte es ihr schwer fallen, eine große Zahl von Migranten für sich zu begeistern.