Christine Haderthauer (CSU) sieht sich mit weiteren Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung konfrontiert. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat die Staatsanwaltschaft München II die Untersuchungen in der sogenannten Modellauto-Affäre gegen die frühere Staatskanzleichefin ausgedehnt. Insgesamt seien in drei Jahren 55.000 Euro falsch verbucht worden, um Steuern zu sparen und um den Wert der eigenen Firma zu senken, heißt es in dem Bericht.

Den Ermittlungen zufolge soll Haderthauer im Jahr 2005 von ihrem Privatkonto 17.000 Euro auf das mit ihrem Mann gemeinsame Konto eingezahlt haben. Diese Summe wurde nicht von der Firma Sapor Modelltechnik verbucht, an der die Haderthauers beteiligt waren. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass das Geld aus dem Verkauf von Modellautos stammt, die die Firma vertrieben hat.

Ein Jahr später seien etwa 10.000 Euro von einem Auktionator auf das Ehe-Konto geflossen. Auch diese Summe wurde in den Geschäftsunterlagen nicht vermerkt. Zudem seien der Mutter von Christine Haderthauer 2009 in zwei Tranchen 40.000 Euro überwiesen worden. Der Verwendungszweck ließe dem Bericht zufolge darauf schließen, dass damit Modellautos bezahlt wurden. Eine ähnliche Buchung auf das Konto der Mutter hätte es 2011 gegeben.

Während die Einnahmen der Firma angeblich geschmälert wurden, seien auch die Kosten erhöht worden. So habe Haderthauer 2008 zweimal Ausgaben für ihre politische Arbeit über die Firma beglichen. Haderthauer erklärte dazu, dies sei versehentlich passiert, und sie habe die Zahlungen rückgängig machen können.

Untersuchungsausschuss nimmt Arbeit auf

Christine Haderthauer hatte Sapor Modelltechnik 1990 mitbegründet und ihre Anteile 2004 an ihren Ehemann Hubert Haderthauer übertragen. Als Psychiater hatte Hubert Haderthauer die Modellautos von Patienten der Bezirkskrankenhäuser Straubing und Ansbach bauen lassen. 2008 verkaufte Hubert Haderthauer die Firma ohne das Wissen des zweiten Miteigentümers, Roger Ponton. In einem Vergleich einigten sich Hubert Haderthauer und Ponton 2011 auf eine Abfindung von 20.000 Euro. Nachdem Ponton erfuhr, dass die Firma deutlich profitabler war, als er aufgrund der Geschäftsbücher angenommen hatte, erstattete Ponton 2014 Strafanzeige.

Aufgrund der Modellauto-Affäre war Christine Haderthauer Anfang September als Chefin der Bayerischen Staatskanzlei und als Staatsministerin für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben zurückgetreten. Ab Donnerstag befasst sich ein Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags unter Leitung des SPD-Abgeordneten Horst Arnold mit der Affäre. Die CSU hatte vergangene Woche dafür gestimmt, den Ausschuss einzusetzen.