Der Verfassungsschutz befürchtet im kommenden Jahr mehr Auseinandersetzungen zwischen Islamisten und Rechtsextremen in Deutschland. "Wir beobachten eine rasant wachsende Zahl an Salafisten und gleichzeitig ein besorgniserregendes Erstarken fremdenfeindlicher Aktivitäten", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen. Daraus entstehe ein erhebliches Konfliktpotenzial.

Das Aufeinandertreffen von radikalisierten Rückkehrern aus islamistischen Kampfgebieten und antiislamischen Demonstrationen gewaltbereiter Hooligans berge erheblichen Zündstoff, sagte Maaßen. Auf solche Wechselwirkungen und Eskalationspotenziale zwischen verschiedenen Spektren werde der Verfassungsschutz 2015 wachsam schauen müssen. Ende Oktober war es in Köln während eines Protests von etwa 4.500 Hooligans und Rechtsextremen, die gegen Salafisten demonstrierten, zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Die Gruppe nennt sich selbst Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa).

Der Verfassungsschutzpräsident sagte, der islamistische Terrorismus sei nach wie vor die größte Bedrohung für die Sicherheit in Deutschland: "Die Jahresbilanz im islamistischen Terrorismus ist erschreckend." Es seien noch nie so viele Dschihadisten Richtung Syrien und Irak ausgereist wie seit der Ausrufung des Kalifats durch den "Islamischen Staat" (IS) im Sommer. Mittlerweile hätten sich mehr als 550 Islamisten aus Deutschland auf den Weg dorthin gemacht. "Das ist ein enormer Anstieg. Anfang des Jahres waren es erst 270 Personen", sagte er. Durch die Erfolge der Terrormiliz IS sei die Anziehungskraft auf "Dschihadwillige" noch verstärkt worden. 

Viele Islamisten in Syrien brutalisiert

Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes sind 180 der ausgereisten Islamisten inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt. "Das ist eine Gefahr für unser Land, weil die meisten leider nicht abgeschreckt zurückkommen, sondern im Gegenteil brutalisiert wurden", warnte Maaßen. Meistens kehrten sie in ihr bisheriges Umfeld zurück. Dies nutzten sie häufig für die Rekrutierung und Radikalisierung von weiteren Personen. "Außerdem genießen Rückkehrer mit Kampferfahrung hohes Ansehen in der Szene", sagte Maaßen.

In diesem Jahr habe sich auch ein Wandel der islamistischen Propaganda gezeigt. "Aus Deutschland stammende IS-Kämpfer verstärken die Propaganda durch individuelle Postings mit Live-Erlebnissen. Dazu nutzen sie nicht nur die sozialen Netzwerke, sondern zunehmend auch Instant-Messenger-Dienste", sagte Maaßen.

Das Ausreisen deutscher Islamisten nach Syrien und in den Irak bereitet den Sicherheitsbehörden schon seit Langem Sorgen. Befürchtet wird, dass radikalisierte Rückkehrer in Deutschland und anderswo Anschläge begehen könnten. Etwa 60 Islamisten aus Deutschland sind laut Verfassungsschutz bislang in Syrien und im Irak gestorben. Mindestens neun haben sich demnach als Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.