Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht die Demonstrationen der Anti-Islam-Bewegung Pegida kritisch. Mit Blick auf die jüngsten Proteste des Bündnisses sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz in Berlin, es gebe in Deutschland keinen Platz für Hetze gegen Gläubige, für Islamophobie oder Fremdenfeindlichkeit. Merkel verurteile solche Tendenzen auf das Schärfste.

Dennoch müsse die Regierung die Sorgen der Bürger ernst nehmen. Die Zuwanderung nach Deutschland und die steigenden Asylbewerberzahlen beschäftigten die Bevölkerung, sagte die Sprecherin.

Auch die Innenminister von Bund und Ländern warnten vor zunehmender islam- und ausländerfeindlicher Meinungsmache. "Wir spüren schon, dass das gesellschaftliche Klima in Deutschland rauer wird", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zum Abschluss der Innenminister-Herbsttagung in Köln. Viele Menschen seien in Sorge, und Pegida missbrauche das. Fakt sei: "Es droht keine Islamisierung der ganzen deutschen Gesellschaft." Die allermeisten Muslime seien integriert.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt forderte die Regierung zum Handeln auf. "Die Bundesregierung muss eine Aufklärungskampagne starten und darf AfD und Pegida nicht das Feld überlassen", sagte sie. Deutschland sei zwar weiter als in den frühen 1990er Jahren. Es dürfe aber "keinen Rückfall in Zeiten von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen geben", sagte Göring-Eckardt mit Bezug auf frühere ausländerfeindliche Anschläge.

Der Bundespräsident bezeichnete die Anhänger des Bündnisses als Chaoten. Solche Strömungen seien wenig hilfreich, sagte Joachim Gauck beim Besuch eines Flüchtlingshilfevereins in Magdeburg. Positive Beispiele im Umgang mit Flüchtlingen sollten mehr Aufmerksamkeit bekommen als fremdenfeindliche Bewegungen wie Pegida.

Das Bündnis steht für Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes und organisiert seit einigen Wochen Demonstrationen in Dresden. Immer mehr Menschen nehmen daran teil. An der jüngsten Demonstration in Dresden hatten sich am Montag 10.000 Menschen beteiligt. Die Anhänger der Gruppe setzen sich für eine strengere Asylpolitik und gegen die vermeintliche Islamisierung der Gesellschaft ein.