Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die Politik zum Dialog mit den Anhängern der islamfeindlichen Pegida-Bewegung aufgerufen. "Wir müssen mit ihnen reden und sie von etwas Besserem überzeugen", sagte Kretschmann dem Berliner Tagesspiegel. Aufklärung sei "das einzige Mittel", denn Ängste und Vorurteile von Menschen könne man nicht verurteilen.

Die Forderung zum Dialog gilt Kretschmann zufolge aber nicht für die Drahtzieher von Pegida ("Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes"). Sie missbrauchten die Vorurteile der Menschen für niedere politische Zwecke.

Dem Islam riet Kretschmann zu einer Selbstreinigung. Es sei die "Aufgabe aller Religionen, sich immer wieder selbst zu reinigen von menschenrechtsfeindlichen Strömungen". Die arabische Welt als kulturelle Wiege des Islam stecke in einer tiefen Krise, sagte Kretschmann weiter. Es hätten sich fundamentalistische Strömungen ausgebreitet, die an ihren Rändern in Gewalt und Terror übergingen. Durch ihre vielfache mediale Verbreitung enstünden leicht Vorurteile und Ängste gegenüber dem Islam.

Den Demagogen Einhalt gebieten

Kretschmann sprach sich in diesem Zusammenhang unter anderem für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an Schulen aus. "Wir haben in Tübingen das erste Zentrum für Islamische Theologie und weiten das Modellprojekt für Islamischen Religionsunterricht aus." Nur so könne man dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche den Islam nicht von Extremisten erlernten, die ihn als Ideologie missbrauchten. 

Mit Blick auf die wachsende Zahl von Flüchtlingen sprach sich Kretschmann dafür aus, die Bevölkerung bei der Einrichtung von Flüchtlingsunterkünften stärker mit einzubeziehen, um Ängsten zu begegnen. "Man darf nicht warten, bis einem die Probleme auf die Füße fallen. Die Bürger müssen in jedem Fall einbezogen werden", sagte er. Sonst hätten die Demagogen freies Spiel.