Natürlich findet Tankred Schipanski es "richtig", was Bundes- und Thüringer CDU zum Umgang mit der Alternative für Deutschland (AfD) beschlossen haben: dass es keine Zusammenarbeit mit dieser Partei geben soll. Denn natürlich findet der thüringische CDU-Bundestagsabgeordnete, dass die Union "die Partei der Mitte" ist.  

Aber Schipanski macht auch keinen Hehl daraus, dass er die starre Haltung der Union zur AfD nicht mehr für angemessen hält. Er will eine Diskussion, wie die Partei auf Landesebene mit der AfD umgehen soll; vor allem in Thüringen, wo die erste rot-rot-grüne Koalition gerade die 24-jährige Dauerherrschaft der CDU beendet hat. Sein Kernargument lautet: "Wir sind jetzt gemeinsam mit denen in der Opposition." Die scharfe Abgrenzung zur AfD werde sich im Parlamentsalltag nicht durchhalten lassen.  

Schipanski steht mit dieser Ansicht nicht alleine da. Es mehren sich die Stimmen, die sich der AfD zumindest vorsichtig öffnen wollen. Auch in der Thüringer Union. Manche dort sprechen nur im Flüsterton: Der Linksschwenk der SPD sei auch ein Signal für den Bund. Also brauche auch die CDU neue Bündnisoptionen, jenseits der schwarz-grünen Option.

"Für mich war die AfD von Anfang an kein Schreckgespenst"

Andere stehen offen dazu, dass sie mit der AfD mindestens sprechen wollen. Zu ihnen gehört der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Heym. "Für mich war die AfD von Anfang an kein Schreckgespenst", sagt er im Freien Wort. Er höre immer wieder von Menschen, dass es "so falsch nicht sei", was AfD-Politiker sagten. Dass nun die Landes-SPD mit den Linken koaliere, während die AfD "verteufelt" werde, "das geht gar nicht". 

Heym gehört dem politischen Lager von Fraktionschef Mike Mohring an, dem immer wieder vorgeworfen wird, nicht deutlich genug Nein zur AfD zu sagen. Nach einem Bericht des Spiegel soll es konkrete Gespräche zwischen ihm und dem AfD-Fraktionschef Björn Höcke gegeben haben. Ein Sprecher der CDU-Fraktion hatte diese Meldung nicht dementiert.

Heym sagt dazu, die Kritik an solchen Gesprächen sei "scheinheilig". Man könne die Thüringer CDU nicht dazu auffordern, einen linken Ministerpräsidenten zu verhindern, und gleichzeitig die Stimmen der AfD-Parlamentarier ausschließen. "Ich lasse mir nicht verbieten, darüber nachzudenken, wie ein Linken-Ministerpräsident zu verhindern ist."