Eine knappe Mehrheit der Deutschen ist gegen eine Beteiligung der Bundeswehr an internationalen Kampfeinsätzen. Einer YouGov-Umfrage zufolge lehnen 51 Prozent der Befragten solche Auslandseinsätze künftig ab. Demnach finden 31 Prozent solche Einsätze mit deutscher Beteiligung in Ordnung.

Auch einem Engagement der Bundeswehr ohne Kampfauftrag stehen die Befragten skeptisch gegenüber: 52 Prozent lehnen eine stärkere militärische Verantwortung Deutschlands in der Welt grundsätzlich ab. Nur ein knappes Drittel (32 Prozent) befürworten mehr militärisches Engagement.

Insbesondere der Afghanistan-Einsatz wird kritisch gesehen. Sechs von zehn Befragten sind der Ansicht, dass sich dieser Kampfeinsatz der Bundeswehr nicht gelohnt hat. Nur jeder Fünfte glaubt dagegen, dass der Aufwand gerechtfertigt war.

In Afghanistan waren in 13 Jahren insgesamt 135.000 Bundeswehr-Soldaten im Einsatz, 55 wurden dabei getötet. Mit dem Ende der Kampfmission sind weltweit nur noch 2.700 deutsche Soldaten im Einsatz – so wenige wie seit mehr als 15 Jahren nicht mehr.

Mit einer Zeremonie markiert die Nato am Sonntag das Ende ihres Afghanistan-Einsatzes. Im Hauptquartier in Kabul wird die Flagge der internationalen Schutztruppe Isaf eingeholt und die für den neuen Ausbildungseinsatz Resolute Support (Entschlossene Unterstützung) gehisst. Formell erfolgt der Übergang von der einen zur anderen Mission allerdings erst zum Jahreswechsel.

Kritik an Nato-Strategie

In Afghanistan stößt das Ende der Kampfmission auf Kritik. Die Leiterin der afghanischen Menschenrechtskommission in Kabul, Sima Samar, kritisiert die Strategie der Nato: "Wir haben die Aufstockung der Soldaten 2009 nicht verstanden und wir verstehen jetzt den Rückzug nicht", sagte die Trägerin des Alternativen Nobelpreises. Die internationale Gemeinschaft sei sehr oberflächlich an Afghanistan herangegangen. "Vielleicht hätten wir mehr erreicht und weniger Opfer zu beklagen, wenn wir die Lage besser analysiert hätten."

Der stellvertretende Isaf-Kommandeur Carsten Jacobson wertete den Isaf-Einsatz dagegen als Erfolg. "Das Ziel ist es gewesen, afghanische Regierungsbildung zu ermöglichen, den Schutz dieser Regierungsbildung sicherzustellen und afghanische Sicherheitskräfte aufzustellen, anschließend die Verantwortung zu übergeben und dann zu reduzieren und abzuziehen. Dieser Auftrag der Isaf ist zu 100 Prozent erfüllt", sagte der Generalleutnant der Bundeswehr.