Die Weihnachtstage sind eine vergleichsweise nachrichtenarme Zeit und es dringt auch eher wenig zu den Menschen durch – sie sind mit anderen Dingen beschäftigt. Manche Politiker, die sonst selten im Rampenlicht stehen, nutzen die Abwesenheit der Konkurrenz gerne, um auch mal in die Medien zu kommen. Zum Beispiel SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi.

Sie hat sich in den ruhigeren Tagen offenbar Gedanken gemacht, wie man die sinkende Wahlbeteiligung in Deutschland steigern könnte – womöglich auch zugunsten ihrer Partei. Das Ergebnis ihres Nachdenkens hat sie der Welt mitgeteilt. Fahimi schlägt vor, statt an einem einzigen Tag eine ganze Woche lang wählen zu lassen. Und barrierefrei wie bürgerfreundlich nicht nur in Wahllokalen, sondern auch in Bahnhöfen, Büchereien oder rollenden Wahlkabinen.

Nun ist natürlich zunächst wenig dagegen zu sagen, es den Wahlberechtigten leichter zu machen, zumal in einer alternden, immobileren Gesellschaft. Wenn schon das Essen auf Rädern zu den Menschen kommt, mag sich die oberste Betreuerin der Sozialarbeiterischen Partei Deutschlands gedacht haben, weshalb nicht auch die Wahlkabine? Und wenn manche am Sonntag lieber im Bett bleiben oder einen Ausflug machen, statt ihrer vornehmsten demokratischen Aufgabe nachzukommen, weshalb sollte man ihnen dann nicht mehr Zeit zur Auswahl auch unter der Woche bieten?

Schließlich haben die Läden inzwischen ebenfalls fast rund um die Uhr geöffnet. Und die Zeiten, in denen der Bürger nach dem sonntäglichen Gottesdienst zum feierlichen Wahlakt in die benachbarte Schule seiner Kinder schritt, sind ja wohl vorbei.

Qual der Wahl

Vielleicht hätte Frau Fahimi allerdings noch ein paar Tage länger nachdenken sollen. Unter Umständen wäre sie dann darauf gekommen, dass es neben Bequemlichkeit noch andere Gründe geben könnte, weshalb Bürger nicht (mehr) zur Wahl gehen. Beispielsweise, weil sie der Ansicht sind, es ändere sich ja doch nichts, egal ob sie bei CDU, SPD, den Grünen oder sogar der Linken ihre Kreuzchen machen. Schließlich unterscheide sich deren Politik kaum und im Zweifel würden sie ohnehin zusammen regieren. 

Weshalb sollten sich diese Wähler dann die Mühe machen, auch nur bequem von zu Hause aus ihre Briefwahlunterlagen abzuschicken, wie es immer mehr Bürger tun? Oder, falls das irgendwann erlaubt würde, im Internet eine der Parteien anzuklicken?

Wahrscheinlich würde es eher gegen die wachsende Wahlmüdigkeit helfen, wenn die Parteien wieder unterscheidbarer würden. Wenn also wieder mehr Bürger das Gefühl bekämen, dass es einen Unterschied macht, ob und wen sie wählen, und dass sie damit tatsächlich etwas bewirken können. Unter Umständen würde das sogar der SPD von Frau Fahimi endlich wieder über die 25 Prozent helfen.