Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) und Finanzminister Wolfgang Schäuble © Sean Gallup/Getty Images

Die Bundesregierung hat den Vorwurf zurückgewiesen, sie mische sich in den laufenden Wahlkampf in Griechenland ein. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Wir respektieren die souveräne Entscheidung der griechischen Wähler und warten jetzt einmal ab." Gegenüber der Regierung in Athen gebe es keinen politischen Kurswechsel, sagte Seibert. Es bleibe das Ziel, die Eurozone "inklusive Griechenland" zu stärken.

Am Wochenende hatte der Spiegel berichtet, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) hielten einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone inzwischen für verkraftbar, sollte das Linksbündnis von Alexis Tsipras bei der Parlamentswahl am 25. Januar eine Mehrheit holen. Die Haushaltspolitikerin der Linken, Gesine Lötzsch, kritisierte daraufhin im Tagesspiegel, mit dieser Diskussion solle lediglich Druck auf die Griechen ausgeübt werden, nicht Syriza zu wählen. Der Linken-Vorsitzende Bernd Riexinger warf der Regierung vor, "mit dieser Art öffentlicher Erpressung" Griechenland vor den Wahlen gezielt zu destabilisieren.

Den Bericht des Spiegel wollte Seibert nicht ausdrücklich dementieren. Zu "spekulativen Szenarien" wolle er sich nicht äußern, sagte er. Die Lage der Eurozone habe sich in den letzten Jahren stabilisiert, so Seibert. "Es ist gelungen, seit 2012 effektive Mechanismen zu schaffen, die Vertrauen schaffen und Ansteckungseffekte lindern können." Eine weitere Stärkung der Eurozone insgesamt bleibe das Ziel der Bundesregierung. Griechenland habe langfristige Kredite erhalten, aber auch die Reform-Verpflichtungen Athens seien langfristig und gingen über die aktuelle Legislaturperiode hinaus. Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte: "Wir erwarten, dass Griechenland sich an die Verträge hält."

EU sieht Mitgliedschaft der Griechen als unwiderruflich an

Die EU-Kommission verwies darauf, dass es in den europäischen Verträgen keine Bestimmung gebe, die einen Austritt Griechenlands vorsehe. "Die Euromitgliedschaft ist unwiderruflich", sagte eine Sprecherin der Behörde. Der Euro habe in der Krise seine Widerstandsfähigkeit bewiesen. Gerade sei Litauen als 19. Mitglied in die Währungsunion aufgenommen worden und die Kommission erwarte, dass dies nicht das Ende der Ausweitung sein werde. Was die Parlamentswahlen in Griechenland Ende Januar angehe, warte die EU deren Ergebnis ab, sagte die Sprecherin.

Tatsächlich ist in europäischen Verträgen nicht geregelt, wie ein Austritt des Landes aus der Eurozone vonstattengehen könnte. Möglich wäre ein freiwilliger Austritt aus der Währungsunion. Dies gilt unter Experten als wenig wahrscheinlich, da Griechenland bei einem solchen Schritt noch tiefer in die Krise stürzen würde.

Die vorgezogene Parlamentswahl in Griechenland hat die Debatte über einen möglichen Euroaustritt des Landes neu angefacht. Das Linksbündnis Syriza könnte stärkste Kraft werden. Sein Vorsitzender Tsipras fordert eine Abkehr vom strikten Sparkurs und Verhandlungen über einen Schuldenschnitt mit den internationalen Gläubigern.