Zwei frühere Mitarbeiter von Sebastian Edathy haben im Bundestagsuntersuchungsausschuss zur Kinderporno-Affäre die Aussage des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten bestätigt. Nach Angaben des stellvertretenden Ausschussvorsitzenden Michael Frieser (CSU) sagte der erste Zeuge aus, Edathy habe ihm am 25. November 2013 in aufgelöstem Zustand von Informationen des SPD-Abgeordneten Michael Hartmann berichtet: Hartmann habe ihm gesagt, dass gegen ihn, Edathy, wegen des Verdachts auf Besitz von illegalen Nacktaufnahmen von Minderjährigen ermittelt werde.

Der Zeuge sagte laut Frieser auf Nachfrage, es sei nicht denkbar, dass sich Edathy diese Darstellung damals schon ausgedacht habe, denn der SPD-Abgeordnete sei an diesem Tag völlig aufgelöst gewesen. Er habe schließlich vor den Trümmern seiner beruflichen Existenz gestanden. "Der Zeuge erschien mir extrem glaubwürdig", sagte Frieser. 

Der frühere Mitarbeiter sagte dem Ausschuss zudem, Edathy habe damals auch den Namen des Präsidenten des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, als eine Informationsquelle von Hartmann in dieser Angelegenheit genannt. An Details dazu habe sich der Zeuge aber nicht erinnern können. Ziercke will nach eigener Aussage mit Hartmann nicht über die Ermittlungen gegen Edathy gesprochen haben. 

Ein weiterer Zeuge sagte aus, Hartmann habe ihm bereits am 15. November 2013 während eines SPD-Parteitags berichtet, dass Edathy verdächtigt wird und dass die SPD-Spitze davon wisse. Das verlautete am Abend aus dem Ausschuss, der den Zeugen hinter verschlossenen Türen befragte.

Aussage Edathys glaubwürdig

Die Grünen-Obfrau Irene Mihalic sagte nach der nicht-öffentlichen Befragung der beiden ehemaligen Büroleiter Edathys: "Die Aussage von Sebastian Edathy ist glaubwürdig, die von Michael Hartmann ist es nicht." Selbst Ausschussmitglieder aus der SPD, die Hartmanns Aussage bisher immer als sehr glaubwürdig bezeichnet hatten, äußerten jetzt Zweifel. Die Ausschussvorsitzende Eva Högl sagte: "Es gibt Hinweise darauf, dass in Teilen die Aussage von Sebastian Edathy richtig ist."

Der Untersuchungsausschuss soll klären, wer Edathy eventuell vor den Ermittlungen, die gegen ihn liefen, gewarnt hatte. Edathy behauptet, sein Informant sei Hartmann gewesen, und dieser habe ihm damals gesagt, er habe sein Wissen vom damaligen BKA-Chef Ziercke. Hartmann bestreitet dies. Er behauptet, Edathy habe ihn damals seinerseits ins Vertrauen gezogen. Edathy habe zwar nichts von den konkreten Ermittlungen gewusst. Er habe sich aber Sorgen gemacht, weil er von einem Strafverfahren gegen einen Kinderporno-Händler in Kanada erfahren habe, bei dem auch er Bilder von nackten Minderjährigen bestellt habe.

LKA-Präsident bestätigt Anrufe Hartmanns

Im Laufe des Tages wurden weitere Zeugen gehört, darunter weitere ehemalige Vertraute Edathys sowie der Präsident des Landeskriminalamtes (LKA) von Rheinland-Pfalz. Dieser bestätigte in öffentlicher Vernehmung, Hartmann habe von ihm Informationen haben wollen. Hartmann habe in drei Telefonaten versucht, von ihm etwas über die Ermittlungen gegen deutsche Kunden eines kanadischen Kinderporno-Händlers zu erfahren, sagte LKA-Präsident Wolfgang Hertinger.  

Hertinger sagte, er sei "konsterniert" über Hartmanns Anruf gewesen. "Ich wusste nicht so recht, was er von mir wollte", sagte der LKA-Präsident zu den Telefonaten. Er habe Hartmann bei einem dritten Telefonat dann klar gemacht, dass er ihm keine Informationen geben werde. Hartmann hatte seinen Anruf bei Hertinger zuvor bereits bestätigt.

Am 5. Februar muss Hartmann zum zweiten Mal vor dem Ausschuss erscheinen. "Wahrscheinlich finden wir keine Beweise, sondern nur Indizien dafür, welche Version die richtigere ist", sagte CDU-Obmann Armin Schuster vor der Sitzung. Stunden später sagte er, Hartmanns Aussage sei "immer schwerer zu halten". Dem Ausschuss seien inzwischen dermaßen viele Details berichtet worden, dass es nicht mehr vorstellbar sei, Edathy habe sich seine Version der Ereignisse ausgedacht, sagte Schuster.