Deutschland ist ein Einwanderungsland und es braucht noch mehr Einwanderer. Darüber besteht unter Experten und den maßgeblichen Parteien inzwischen Konsens, zum Glück. Auch die Mehrheit der Bevölkerung teilt mittlerweile diese Ansicht. Bis zu sechs Millionen Fachkräfte werden bis 2025 fehlen, weil die geburtenstarken Jahrgänge allmählich in den Ruhestand gehen und die erwerbsfähige Bevölkerung schrumpft. Werden sie nicht durch Zuwanderer ersetzt, könne das Land seinen Wohlstand kaum halten, sagen Wirtschaftsfachleute voraus.

Der CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat vor diesem Hintergrund erneut eine Debatte über ein Einwanderungsgesetz angestoßen, mit geteiltem Echo. Dabei wirken die aktuellen Zahlen auf den ersten Blick beruhigend: 430.000 Zuwanderer sind laut dem Migrationsbericht der Bundesregierung 2013 nach Abzug der Auswanderer nach Deutschland gekommen, so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Zahl dürfte nach Schätzungen des Statistischen Bundesamts im vergangenen Jahr sogar noch zugenommen haben. 

Allerdings zeigen die Zahlen auch, dass sich die Zuwanderung schwer steuern lässt. Es kommen nicht nur jene, die sich vor allem die Wirtschaft wünscht, aber bei Weitem auch nicht so viele "Armutsflüchtlinge", wie manche verschreckte Einheimische annehmen. 

Fast zwei Drittel der Neubürger stammen aus der EU, davon ein erheblicher Teil aus den jungen Mitgliedstaaten, insbesondere aus dem Nachbarland Polen, seit Jahren das Hauptzuzugsland. Auf diese Wanderungsbewegung hat die Bundesregierung praktisch keinen Einfluss. EU-Bürger können frei entscheiden, ob sie nach Deutschland ziehen. Die allermeisten von ihnen finden auch eine Beschäftigung oder haben schon eine, wenn sie einreisen. Das gilt übrigens auch für Rumänen, die erst seit 2014 offiziell hierzulande arbeiten dürfen und die zweitgrößte Gruppe der Einwanderer aus der EU stellen.

Ernüchternd ist vor allem, dass nicht mehr hochqualifizierte Kräfte aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland kommen. 24.000 waren es 2013, eine Stagnation gegenüber dem Vorjahr. Nur 4.651 Ingenieure und IT-Spezialisten kamen mit der Blue Card. Das war zwar eine Verdoppelung gegenüber den Vorjahren, ist gemessen an den Gesamtzuwanderungszahlen jedoch nur ein Bruchteil. Hier vor allem zeigt sich, dass Deutschland im Wettbewerb mit anderen Einwanderungsländern offensichtlich längst noch nicht attraktiv genug ist für ausländische Fachkräfte, trotz hochgelobter Blue Card.

Das größte Problem ist, dass für alle anderen, die in Deutschland arbeiten möchten, aber die strengen Kriterien des Zuwanderungsgesetzes von 2004 nicht erfüllen, nur der Weg des Familiennachzugs oder des Asylrechts bleibt. Neben den Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien oder dem Irak und Verfolgten aus anderen Staaten, stellen deshalb immer mehr einen Asylantrag, auch wenn sie eigentlich nur einen Job und ein Auskommen suchen.