An dieser Stelle gilt es, der FDP ein Lob auszusprechen. Die neuen Parteifarben stehen ihr gut. Wo früher hartes Dunkelblau auf Zitrone prallte, geht es nun weicher zu. Fast fühlt man sich an einen Frühlingstag erinnert: Mittelblau der Himmel, und das liberale Gelb gleicht ein wenig warmen Sonnenstrahlen. Passend dazu Akzente in freundlichem Magenta.

Natürlich, ein Wechsel der Logo-Farben ist reine Symbolik: Er unterstellt große Veränderung, bewiesen ist damit noch nichts. Doch eine Partei lebt auch von Kategorien und Eigenschaften, die die Menschen ihr zuschreiben, von Komplexitäts-Reduktion. Die FDP hat nach der verlorenen Bundestagswahl versprochen, ihr kühles Raubtierkapitalismus-Image abzulegen. Nun hat sie "geliefert", um einen alten liberalen Begriff zu bemühen. Farblich jedenfalls.

Auch FDP-Chef Christian Lindner verdient Lob. Allein schon dafür, dass er in den vergangenen, für die Partei schwierigen Monaten weitgehend die Nerven behalten hat. Auf dem traditionellen Dreikönigstreffen in Stuttgart hat Lindner eine rhetorisch brillante Rede gehalten, durchsetzt mit inhaltlichen Nuancen, die anders klingen sollen, als das Gewesene: So verzichtete er bewusst darauf, gegen die große Koalition zu holzen, und selbst die von der FDP so verhassten Grünen bekamen nur kleine Seitenhiebe ab.

Mutbürger sein

Was aber will die "neue" FDP? Ginge es nach Lindner, dann würde sie sich an die Spitze der "Mutbürger" im Land setzen. Der rhetorische Gegensatz zum "Wutbürger", der allmontäglich durch die Straßen zieht und trotzig seine Deutschlandflagge schwenkt, ist mit Bedacht gewählt.

Lindner sagt, er setzt auf diejenigen, die noch gestalten wollen, die die Zukunft positiv sehen und sich nicht durch eigene Ängste lähmen lassen. Leute, die sich nicht in ihren Verlustängsten oder der bequemen Bürokratie einschotten, sondern wie Steve Jobs Lust haben, in der Garage ein Unternehmen zu gründen. Auch das dabei mögliche Scheitern muss gesellschaftlich akzeptabel werden, findet Lindner. Wenn man es zuvor nur ernsthaft versucht hat.

Die neue FDP ruft abermals Bildung zum Großthema aus. Der FDP-Chef verspricht: Seine Partei wolle flexiblere Schulen, die nicht mantrahaft auf den Einheitsabschluss vorbereiteten, und Lehrer, die das Ziel, Augenarzt zu werden, ebenso schätzten wie den Schülertraum, eine Kfz-Werkstatt zu eröffnen.

Lindner will Liberale, die Integrationsprobleme ansprechen und sich gleichzeitig nie auf eine Stufe mit denen begeben, die mit plumpen Ressentiments gegen Minderheiten Politik machen. Die von der CSU angestrebten Einschränkungen beim Asylrecht nennt der Parteichef "herzlos". Aber die Einwanderung von Menschen, die zum Arbeiten nach Deutschland kämen, die müsse man besser steuern.

Diese neue FDP soll sich außenpolitisch offen pro-amerikanisch positionieren und das in Zeiten, in denen manche im Konflikt mit Russland lieber die westliche Freiheit einer "trügerischen Ruhe" opfern würden.

All diese Thesen klingen so schön losgelöst liberal, sie haben nur ein Riesenproblem: Die freundliche Mut-Partei FDP, die konstruktive außerparlamentarische Opposition, die Lindner vorschwebt – sie wird den Realitätstest nicht bestehen.