Einige konservative Politiker von CSU und CDU haben sich von Merkels Worten über die Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland distanziert. "Der Islam gehört zu Deutschland", sagte die Bundeskanzlerin am Montag. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer betonte als Reaktion darauf, dass für seine Partei vor allem das "C" Orientierung und Verpflichtung sei. "Die Orientierung an den Werten des Christentums ist das geistige und kulturelle Fundament für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft", sagte Scheuer laut einer Pressemitteilung.

Basis von Weltoffenheit und Toleranz seien die christlich geprägten Tradition und Werteordnung. "Die deutsche Sprache, unsere kulturelle Identität und unsere christlich-abendländischen Werte bilden zusammen die deutsche Leitkultur", sagte Scheuer. Einwanderer hätten sich daran zu orientieren.

Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach sagte der Saarbrücker Zeitung, er teile die Auffassung Merkels nicht pauschal. "Welcher Islam ist gemeint? Gilt das auch für seine islamistischen und salafistischen Strömungen?", fragte Bosbach. Auch die Scharia gehöre ganz gewiss nicht zu Deutschland, sagte er.

Auch der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) stellte sich gegen die Worte der Kanzlerin. Muslime gehörten zwar zu unserer Gesellschaft, aber dass der Islam zu Deutschland gehöre, könne er nirgends erkennen, sagte der CSU-Politiker dem Deutschlandfunk. "Der Islam ist kein prägendes, konstitutives Element der Identität unseres Landes".

Friedrich hatte sich bereits 2011 ähnlich geäußert, als der damalige Bundespräsident Christian Wulff gesagt hatte, der Islam gehöre zu Deutschland. Merkel hatte nach den islamistischen Terroranschlägen in Paris vor einer pauschalen Verurteilung der rund vier Millionen Muslime in Deutschland gewarnt. Sie setzte damit auch ein klares Zeichen gegen die Aktionen der islamfeindlichen Pegida-Bewegung.