Es ist gerade halb acht, als Sebastian Nobile verkünden muss, dass es heute wohl keinen Spaziergang geben wird. "Wir machen das jetzt zu einer stationären Veranstaltung", sagt der Organisator der Demonstration der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida). Der Protestmarsch der "letzten Aufrechten", wie ein Teilnehmer sich und seine Mitstreiter nennt, muss ausfallen, weil die Gegendemonstranten ihnen alle Wege versperren. Nur ein paar Minuten später ist dann auch die Steh-Demo beendet, Pegida in Köln packt ein.

Nach und nach sammeln die Veranstalter die meterlangen Stangen mit den schwarz-rot-goldenen Fahnen wieder ein, die sie kaum eine Stunde zuvor an die Demonstranten verteilt hatten. Zusammen mit Mikrofon und Lautsprechern laden sie das Material in einen weißen Transporter, der bald darauf in der Dunkelheit verschwindet. Die letzten Anhänger verteilen sich auf die Züge im Bahnhof, und zwei Stunden nach Beginn der Demonstration ist in Köln keine Spur mehr von Pegida, oder Kögida, wie sich der Ableger am Rhein nannte.

Dafür gesorgt hat ein breites Bündnis aus mehr als 50 Vereinen, Parteien, Gewerkschaften und Glaubensgemeinschaften. In Köln solle es nicht zu Dresdner Verhältnissen kommen, hatte vorher Brigitta von Bülow gesagt, Vize-Fraktionschefin der Grünen im Rat. Die von ihr mitorganisierten Veranstaltungen "Köln stellt sich quer" und "Kein Veedel für Rassismus" haben nach Schätzungen der Polizei etwa 5.000 Menschen zur Gegendemonstration motivieren können. Und unter dem Motto "Licht aus für Rassisten" wurden während der Demonstrationszeit die Lampen an vielen Gebäuden und Brücken ausgeschaltet. Dompropst Norbert Feldhoff ließ sogar das markanteste Wahrzeichen der Stadt im Dunkeln, den Kölner Dom, der das Ziel des Demonstrationszuges sein sollte.

Bereits eine Stunde vor den Pegida-Anhängern trafen sich die Gegendemonstranten. "Alle zusammen gegen die Dummen", ruft eine junge Mutter mit Kinderwagen auf dem Weg zur Kundgebung. "Köln ist für alle" hat ein Mann auf ein Plakat geschrieben, von einer Brücke weht das Transparent "Köln – eine Heimat für jeden". So viele Unterstützer und Aktionen gab es, dass es den Anschein hatte, die Stadt Köln habe nur auf eine Gelegenheit gewartet, ihre Abwehrbereitschaft zu demonstrieren.    

Das zeigt auch die Geschwindigkeit, in der sich der Widerstand gegen Pegida in Köln formiert hatte. "Als am 19. Dezember bekannt wurde, dass Pegida auch nach Köln will, haben wir das erst mal mit Sorge gesehen", sagt die Mitorganisatorin Brigitta von Bülow. Doch die Antwort der Kölner Bürger kam prompt. "Nachmittags hatten wir die Gegendemonstration schon angemeldet", sagt von Bülow. Seit Jahren schon existiere ein breites Bündnis aus Parteien von CDU bis Linke, Institutionen, Künstlern und Musikern, die sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus engagierten, so die Grünen-Politikerin. Ein paar Gespräche unter alten Bekannten genügten und der Widerstand war gebildet.