Die stellvertretende Vorsitzende der Linken-Fraktion, Sahra Wagenknecht, plädiert für einen Dialog mit den Anhängern der Pegida-Bewegung, um sie über die Hintergründe des islamkritischen Bündnisses aufzuklären. Die Organisatoren von Pegida schürten "rassistische Ressentiments und machen Stimmung gegen Flüchtlinge", sagte Wagenknecht der Mitteldeutschen Zeitung vom Donnerstag. Sie kämen daher für Gespräche nicht in Betracht. Jedoch gebe es eine Reihe von Menschen, die an den Protesten teilnehmen, "weil sie die herrschende Politik ablehnen". Mit ihnen müsse gesprochen werden.

Viele Pegida-Demonstranten seien empört angesichts prekärer Jobs und niedriger Renten und hätten nun das Gefühl, es gebe "endlich mal eine Protestbewegung". Mit diesen Menschen müsse geredet und ihnen deutlich gemacht werden, dass Pegida keine Protestbewegung sei, sondern eine Bewegung, "die Protest genau in die falsche Richtung lenkt". Sie suche "Sündenböcke", statt die "wirklich Schuldigen und die Profiteure zu nennen".

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn äußerte sich in der Donnerstagsausgabe der Bild-Zeitung ähnlich. "Wir müssen als Politik wieder mit den Tausenden Bürgern ins Gespräch kommen, die da mitlaufen", sagte er. Sie müssten nach ihren Gründen für die Teilnahme an den Demonstrationen gefragt werden. Mit Blick auf die Führungsspitze der Bewegung sagte Spahn allerdings, wer "hetzt" wie der Pegida-Gründer, scheide "als Gesprächspartner definitiv aus".

Islam-Debatte - Als Flüchtling in der Pegida-Hochburg Dresden

Die Äußerung bezieht sich auf den Pegida-Gründer Lutz Bachmann, der am Mittwochabend von seinen Funktionen bei der Organisation zurückgetreten war. Zuvor hatte es heftige Kritik an einem Foto von ihm in Hitler-Pose und an ausländerfeindlichen Äußerungen im Internet gegeben. Die Dresdener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen Bachmann.

Die rechtskonservative Partei AfD begrüßte den Rücktritt. "Er hat mit seinen traurigen Äußerungen und ekelhaften Scherzen die Menschen von Pegida, die getrieben von ehrlichen Sorgen auf die Straße gehen, beschämt", sagte Sprecher Christian Lüth. Die AfD hatte in den vergangenen Wochen Kontakt zur Pegida-Bewegung gesucht. Einer öffentlichen Begegnung mit Bachmann, der nach Morddrohungen von Islamisten unter Polizeischutz steht, war die AfD-Spitze jedoch aus dem Weg gegangen.

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) warnte davor, "sich von einem möglichen Rückzug Bachmanns aus der erste Reihe in Dresden blenden zu lassen". "Pegida ist und bleibt eine rassistische Veranstaltung", sagte sie der Berliner Zeitung. Linksfraktionsvize Dietmar Bartsch wertete den Rücktritt Bachmanns als Beleg für die Haltung von Pegida. "Die rassistischen Äußerungen des Pegida-Gründers Bachmann haben gezeigt, wes Geistes Kind die Organisatoren dieser Hass-Bewegung sind", sagte er dem Berliner Tagesspiegel. "Wer jetzt noch diesen geistigen Brandstiftern nachläuft, macht sich mit ihnen und ihren Positionen gemein."