Herr H. hatte also allen Grund, eingeschüchtert zu sein und zu schweigen, auch weil seine Anwältin wortreich versuchte, jegliche Einlassung ihres Mandanten zu verhindern. Allerdings hatte er zur konkreten Frage, wie denn die Telekom die Duplizierung der Daten bewerkstellige, auch keine wirkliche Antwort parat: "Jemand anderes hat das technisch umgesetzt." Er wisse nur, dass "die Anderen", gemeint ist der Geheimdienst, aussuchten, was sie denn überwacht haben wollten. Dann würden seine Kollegen eine Kopie der Leitung erstellen und diese an den BND ableiten. "Wir dürfen als Netzbetreiber keine inhaltliche Kenntnis haben, was wir duplizieren."

Hat die Telekom versucht, aus der Kommunikation, die sie an den Geheimdienst weitergab, Daten von Deutschen herauszufiltern? "Ist mir nicht bekannt, dass es da eine Kontrollfunktion gab." Den Namen "Eikonal" will H. nicht gekannt haben. Telekom-intern sprach man offenbar von "Transit", wenn es um das Abschöpfen der Ausland-Ausland-Kommunikation durch den BND ging.

Die Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten habe bei ihm keine Bedenken hervorgerufen, sagte der Zeuge weiter. "Es war ja alles juristisch geprüft worden." Das werde schon so in Ordnung gewesen sein. Bei der Operation "Transit", so erinnert er sich, sei alles freiwillig gelaufen, es habe entgegen der Behauptung des BND keine rechtsverbindliche Anordnung der G10-Kommission gegeben, die einschreitet, wenn auch Daten von Deutschen betroffen sein können. Für den Grünen-Abgeordneten Konstantin von Notz ist damit klar, dass die Geheimdienst-Überwachung "offensichtlich rechtswidrig" erfolgte.

"Die haben mal was vorbei gebracht, einen Beschluss oder so"

"Hatten Sie den generellen Auftrag, die Zusammenarbeit mit dem BND möglich zu machen?", fragte von Notz. Ja, sagte der Zeuge zunächst. Und auf Nachfrage plötzlich: "Das weiß ich nicht mehr." Er habe das gemacht, was durch den freiwilligen Kooperationsvertrag abgedeckt gewesen sei. Seine Anweisungen seien stets von "intern" gekommen. Bis heute laufen offenbar Geheimdienstoperationen am Telekom-Standort Frankfurt. Über die könne er keinesfalls reden, sagte der Zeuge.

Auch H.s ehemals direkter Vorgesetzter war dem Ausschuss am Donnerstag keine große Hilfe. Der inzwischen pensionierte technische Fernmeldeoberamtsrat unterstrich in öffentlicher Sitzung nur, auch er habe nicht gewusst, was seine Leute da eigentlich für den BND kopierten: "Wir gucken nicht in die Leitungen rein." 

Unabhängig von der Operation Eikonal hätten immer mal wieder Geheimdienstleute bei der Telekom vorbeigeschaut, weil sie bestimmte Daten abgreifen wollten, berichtete der Zeuge in breitem Hessisch: "Die haben mal was vorbeigebracht, einen Beschluss oder so. Oder manchmal haben wir denen gesagt: In zwei Wochen läuft die Frist ab, bringt mal was Neues."  

Der SPD-Abgeordnete Christian Flisek konnte seinen Unmut irgendwann nicht mehr verbergen. Die Telekom, sagte er, solle einmal ihr Erscheinungsbild im Ausschuss überdenken.