Nach Ansicht von Migrationsforschern ist die Entstehung der Pegida-Bewegung eine Spätfolge des alten CDU-Leitbildes "Deutschland ist kein Einwanderungsland". Dies müsse sich ändern, sagte der Vorsitzende des Rats für Migration, Werner Schiffauer, in Berlin. Ein neues Leitbild solle von einer überparteilichen Kommission erarbeitet werden. "Es ist wichtig, dass wir den Begriff 'Wir Deutsche' neu definieren", sagte er. Die Strategie der CSU, die jetzt versuche, den rechten Rand einzufangen, sei dagegen falsch.

In der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und FDP hatte es 1983 geheißen: "Die Bundesrepublik Deutschland ist kein Einwanderungsland. Es sind daher alle humanitär vertretbaren Maßnahmen zu ergreifen, um den Zuzug von Ausländern zu unterbinden."

Die Politik in Deutschland müsse sich ernsthafter mit der islamfeindlichen Bewegung auseinandersetzen, als das bisher der Fall gewesen sei, sagte Schiffauer. Den umstrittenen Demonstrationen könne nicht allein mit kurzfristigen Appellen begegnet werden. Der Rat für Migration ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Wissenschaftlern, die sich mit Einwanderungsfragen befassen.

Neue Demonstrationen am Abend

Am Abend wollen wieder Zehntausende Anhänger der Bewegung "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" in mehreren Städten demonstrieren. Die in Dresden entstandene Bewegung hatte Ende 2014 immer mehr Zulauf erhalten. Am 22. Dezember nahmen nach Polizeiangaben rund 17.500 Teilnehmer an der zehnten Kundgebung auf dem Theaterplatz vor der Semperoper teil. Für den Abend werden erneut Tausende auf Dresdens Straßen erwartet. In Berlin wollen etwa 300 Demonstranten unter dem Namen "Bärgida" als Berliner Pegida-Ableger zum Brandenburger Tor ziehen.

In Stuttgart und Hamburg sind ebenfalls islamfeindliche Demonstrationen geplant. Widerstand bildet sich hier im Netz. Neben dem Hashtag #nopegida ruft der Hamburger Ableger Tegida auf Twitter und Facebook zum ersten Gegenprotest in der Hafenstadt auf.  

Unter anderem in Dresden, Berlin und Köln wurden Gegenproteste angekündigt. Bundesweit werden Tausende Menschen bei Protesten gegen Pegida erwartet. Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) rief etwa dazu auf, ein "deutliches Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Ausgrenzung" zu setzen. Auch die Kölner CDU betonte: "Fremdenfeindliche Proteste dulden wir nicht in unserer Stadt." Die Beleuchtung des Kölner Doms soll am Abend abgeschaltet werden.

Scharfe Kritik an Pegida kam von den Kirchen. Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki, rief alle Christen auf, der Stimmungsmache gegen Flüchtlinge entgegenzutreten. Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Scheider, sagte der Rheinischen Post, Christen hätten auf Pegida-Demonstrationen nichts zu suchen.