Pegida-Organisator Lutz Bachmann ist kein Freund von Flüchtlingen – soviel war bekannt. Nun scheint es, als leugne er gar die Existenz von Kriegsflüchtlingen, weil die Flüchtlinge, die es nach Deutschland schafften, "nachweislich" nicht bedroht seien – sie könnten sich ja die Überfahrt leisten.

Das geht zumindest aus einem Kommentar unter Bachmanns Namen hervor, der am Dienstag im Internet die Runde machte. Dem Internetportal Anonymous News Deutschland wurde ein Screenshot von einer ehemaligen Bekannten von Bachmann zugespielt, der aus der Kommentarspalte unter dem Artikel "PEGIDA will Positionspapier für ganz Deutschland" auf der Facebookseite der Dresdner Morgenpost stammt.

Bachmanns ehemalige Bekannte zitiert in dem Screenshot einen Kommentar, den Bachmann auf ihrer privaten Facebook-Seite hinterlassen haben soll.

Die Kommentare sind jetzt nicht mehr aufrufbar – auch das betreffende Facebook-Profil Lutz Bachmanns ist gegen 13 Uhr am Dienstag gelöscht worden. Auf Nachfrage bestätigte Bachmanns frühere Bekannte dem Tagesspiegel, Bachmann bei der Fluthilfe 2013 kennen gelernt zu haben. Er hatte dort über mehrere Facebook-Gruppen Hilfsgüter und Spenden für Flutopfer organisiert. Ihren Namen möchte die Frau nicht publiziert sehen – sie lebe wahrscheinlich gefährlich genug durch das Teilen des Kommentars, sagt sie.

Der Tagesspiegel hat Lutz Bachmann selbst noch vor der Löschung des Facebook-Profils über das soziale Netzwerk erfolglos zu kontaktieren versucht. Auch auf eine Anfrage über Twitter reagierte der Pegida-Organisator zunächst nicht. Auch sonst war er am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden prüft wegen der Kommentare Bachmanns den Anfangsverdacht der Volksverhetzung, wie die Leipziger Volkszeitung berichtet. "Sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, könnte das unter anderem den Tatbestand der Volksverhetzung nach Paragraph 130 StGB erfüllen", sagte ein Sprecher der Zeitung. In diesem Fall würde die Staatsanwaltschaft automatisch ein Ermittlungsverfahren einleiten.

Tirade widerspricht bisherigen Beteuerungen

Die Tirade von "Dreckspack" und "Viehzeug" widerspricht Bachmanns wiederholten Beteuerungen, Kriegsflüchtlinge zu schützen sei eine "Menschenpflicht"; diese "traumatisierten Menschen" müssten geschützt werden.

Bachmanns Kommentar stammt vom September vergangenen Jahres. Dessen weite Verbreitung geschieht allerdings zu einem für Pegida heiklen Zeitpunkt: In den vergangenen zwei Tagen hatten die Organisatoren von Pegida erstmals den Schritt in die mediale Öffentlichkeit gewagt. Am Sonntag mit Pegida-Organisatorin Kathrin Oertel in der Talkrunde von Günther Jauch, am Montag bei einer Pressekonferenz von Bachmann und Oertel in den Räumen der sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung in Dresden.