SPD-Chef Sigmar Gabriel hofft offenbar, die Generalsekretärin seiner Partei, Yasmin Fahimi, von seiner Linie im Umgang mit Pegida zu überzeugen. "Ich jedenfalls kämpfe um jede Seele, auch um die meiner Generalsekretärin", sagte er der Bild. Er bezog sich damit auf einen Konflikt mit Fahimi, die Gespräche mit Sympathisanten des islamfeindlichen Bündnisses ablehnt.

Bisher waren sich beide einig, dass die Führung der Bewegung für die SPD keine Gesprächspartner sind. Gabriel jedoch war offensichtlich unabgestimmt am Freitagabend ins Dresdner Stadtmuseum gekommen, um im Publikum einer Diskussionsrunde zu lauschen, die die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung organisiert hatte. Im Anschluss sprach er ausführlich mit Anhängern der Pegida-Bewegung.  

Die Aktion hatte unter führenden Sozialdemokraten einen Streit ausgelöst. Fraktionschef Thomas Oppermann und der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse verteidigten Gabriel, indem sie sagten, man müsse differenzieren zwischen Anhängern und Organisatoren. Juso-Chefin Johanna Uekermann dagegen unterstellte den Anhängern Rassismus und sagte, das sei keine Gesprächsgrundlage. Fahimi hatte gesagt, sie stehe "lieber an der Seite der vielen, vielen Menschen, die sich für Weltoffenheit und Toleranz einsetzen". Die SPD müsse da politische Haltung beweisen, das erwarte der Wähler.

Gabriel verteidigte sich, die von ihm besuchte Veranstaltung sei keine Pegida-Veranstaltung gewesen, sondern eine der Landeszentrale. Es seien Befürworter und Gegner von Pegida da gewesen, darüber hinaus Wissenschaftler, Kulturschaffende. Auf jeden Fall keine Organisatoren. "Ich war da, weil ich mal unmittelbar hören wollte, was die normalen Bürger sagen", sagte Gabriel. Was er dort gehört habe, kenne er aus vielen Gesprächen. Politiker sollten sich den Vorwürfen stellen, sie seien bürgerfern, unfähig und selbstsüchtig. Denn die Vorwürfe träfen "für die meisten in der Politik" gar nicht zu.   

Er habe Generalsekretärin Fahimi mit seinem Besuch der Veranstaltung "gewiss nicht" brüskieren wollen. Er sei sich mit ihr einig, dass man mit den Organisatoren von Pegida, die oftmals rechtsextrem seien, nicht reden sollte. "Wir müssen die nicht hofieren. Aber mit den Menschen, die da mitgehen, muss man reden." In allen Parteien gebe es unterschiedliche Meinungen darüber.