Der Islam gehört nach Ansicht von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) nicht zu Deutschland. Muslime seien in Deutschland zwar willkommen und könnten ihre Religion ausüben. "Das bedeutet aber nicht, dass der Islam zu Sachsen gehört", sagte Tillich der Welt am Sonntag.

Angesichts der wöchentlichen Demonstrationen des islamkritischen Bündnisses Pegida in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden forderte Tillich die muslimischen Verbände auf, sich klarer von islamistischem Extremismus zu distanzieren. "Die Menschen haben Angst vor dem Islam, weil Terrorakte im Namen des Islam verübt werden", sagte er der Zeitung.

"Die muslimischen Verbände könnten den Menschen diese Ängste nehmen, wenn sie klar formulieren, dass es sich um einen Missbrauch ihrer Religion handelt", sagte der Ministerpräsident. Dies wäre "ein überzeugender Beitrag, die Ängste in diesem Land zu reduzieren". Eine deutliche Distanzierung forderte Tillich von den Verbänden auch gegen Salafisten und eine Scharia-Polizei. "Solche Strömungen können die Muslime in diesem Land doch nicht wollen", sagte er.

Tillich nahm die Teilnehmer der Pegida-Demonstrationen angesichts des Verdachts der Volksverhetzung gegen den mittlerweile zurückgetretenen Mitbegründer Lutz Bachmann in Schutz. "Ich unterscheide zwischen Organisatoren und dem größeren Teil der Teilnehmer" sagte Tillich. "Ich will und kann Letztere nicht einfach ausgrenzen und für die Demokratie verloren geben." Es sei die Aufgabe der Politik, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, um sie wieder für demokratische Entscheidungsprozesse zu interessieren und womöglich einzubinden.

Die Pegida-Bewegung hat für diesen Sonntag in Dresden erneut zu einer Demonstration aufgerufen. Sie wurde vorgezogen, weil am Montag auch eine große Gegenveranstaltung geplant ist. Unter dem Motto "Offen und bunt – Dresden für alle" geben Künstler wie Herbert Grönemeyer ein Konzert.

Steinmeier sieht Ansehen Deutschlands durch Pegida beschädigt

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) distanzierte sich von Pegida und warnte vor allem vor der Außenwirkung der sogenannten Abendspaziergänge des islamkritischen Bündnisses. "Bei uns wird unterschätzt, welchen Schaden die fremdenfeindlichen und rassistischen Sprüche und Plakate der Pegida schon jetzt angerichtet haben", sagte der SPD-Politiker der Bild am Sonntag

"Ob wir das wollen oder nicht: Gerade bei diesen Fragen blickt die Welt mit großer Aufmerksamkeit nach Deutschland." Bei seinen Besuchen im Ausland werde er ständig auf das Thema angesprochen. "Umso wichtiger ist es, dass wir klar und deutlich sagen: Pegida spricht nicht für Deutschland."

Pegida sei nicht die schweigende Mehrheit, sagte Steinmeier. Deutschland sei ein weltoffenes Land, "das Anteil nimmt und nicht wegschaut, wenn Millionen Menschen zur Flucht gezwungen werden." Einen Dialog mit den Pegida-Verantwortlichen lehnte der Minister ab. "Ich rede mit Menschen, die enttäuscht sind, Sorgen haben und sich benachteiligt fühlen, so wie das viele andere Politiker auch tun. Aber ich habe keine Lust, mit den selbst ernannten Funktionären zu sprechen."