Kathrin Oertel und mehrere Spitzenfunktionäre der islamfeindlichen Pegida-Bewegung haben ihre Ämter niedergelegt. Das berichtet der Stern. Demnach haben die Mitglieder der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" bei einem Treffen des sogenannten Organisationsteams am Dienstagabend hingeworfen. Damit verliert die islamkritische Bewegung ihr zweites bekanntes Gesicht. Vor wenigen Tagen war Lutz Bachmann von seinen Ämtern zurückgetreten.

Grund für den Rückzug der 37-jährigen Oertel und der anderen Führungsmitglieder soll die Rolle von Bachmann sein, früherer Kopf der Bewegung. Der Stern zitiert Pegida-Mitglieder, die kritisieren, der 42-Jährige versuche nach wie vor, Einfluss auf die Bewegung zu nehmen. Er erkenne nicht an, dass er der Sache im Wege stehe, heißt es. 

Zu den Mitgliedern, die ihre Ämter nun niederlegen, gehören neben Oertel auch der zweite Vorsitzende des Pegida-Vereins, Rene Jahn, das AfD-Mitglied Achim Exner, der Wirtschaftsberater Bernd-Volker Lincke und der ehemalige CDU-Stadtrat von Meißen, Thomas Tallacker. Das bestätigte Jahn der Bild-Zeitung. "Hintergrund ist der Verbleib von Herrn Bachmann im Orga-Team der Pegida sowie die mangelnde Abgrenzung von Legida in Leipzig", sagte er.

Kathrin Oertel war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Tallacker sagte auf Nachfrage der dpa, er wolle sich noch nicht dazu äußern. Laut des Stern-Berichts haben sich alle Beteiligten darauf geeinigt, sich bis zum morgigen Donnerstag nicht zu den Personalien zu äußern.

Bei Pegida selbst klingt es anders

Auf ihrer Facebook-Seite stellt Pegida die Lage anders dar. Oertel hat demnach vorerst ihr Amt als Pressesprecherin niedergelegt. "Dies ist massiven Anfeindungen, Drohungen und beruflichen Nachteilen geschuldet", heißt es. "Wenn aber nachts schon irgendwelche Fotografen und andere komische Gestalten um ihr Haus schleichen, da kann man es der stärksten Frau nicht übel nehmen, wenn sie eine Auszeit braucht." Von der Rolle Bachmanns ist nicht die Rede. Auch Tallacker sei wegen beruflicher Nachteile von seinen Ämtern zurückgetreten. Er habe durch den Verlust etlicher öffentlicher Aufträge "massive Probleme" mit seiner Firma. Eine neuer Vorstand soll "in den nächsten Tagen in einer Sondersitzung" gewählt werden.

Bachmann war vergangene Woche zurückgetreten. Hintergrund sind Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen ihn, die die Staatsanwaltschaft Dresden aufgenommen hat. Dabei geht es um Facebook-Posts mit ausländerfeindlichen Beleidigungen, die von Bachmann stammen sollen. Sie enthalten menschenverachtende Bezeichnungen wie "Viehzeug", "Gelumpe" und "Dreckspack" in Bezug auf Ausländer.

Pegida ist ein Verein, die Spitze besteht aus zwölf Personen, die Teil des sogenannten Orga-Teams sind. Die Bewegung organisiert seit einigen Monaten islamfeindliche Kundgebungen und Protestmärsche, vor allem in Dresden. Zu den Treffen, die meist am Montagabend stattfinden, waren mehrere Tausend Menschen gekommen.