Die Stadt Schwerte richtet trotz heftiger Kritik eine Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände einer ehemaligen Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald ein. Rat und Verwaltung "halten an ihrer Entscheidung aus Überzeugung fest", teilten Bürgermeister Heinrich Böckelühr (CDU) und Ratsvertreter mit. Schwerte habe keinen Nachholbedarf an Erinnerungskultur. Die Stadt habe ihre Vergangenheit beispielhaft aufgearbeitet und sogar eine Gedenkstätte errichtet. "70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg dürfen nicht alle Gebäude tabu sein", sagte Böckelühr.

Auf dem Werksareal waren von 1942 bis 1945 Zwangsarbeiter untergebracht. Neben diesem Zwangsarbeiterlager errichteten die Nazis zudem ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Die Bahn nutzte das Gelände nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Eisenbahnausbesserungswerk.

Auf einem solchen Areal Flüchtlinge unterzubringen, sei befremdlich, hatte der Flüchtlingsrat NRW nach Bekanntwerden der Pläne am Wochenbeginn kritisiert. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und andere hatten an die Stadt appelliert, den Plan fallen zu lassen.

Zunächst war der Eindruck entstanden, die Flüchtlinge sollten in einer ehemaligen Wachbaracke des KZ-Außenlagers wohnen. Das habe sich als falsch erwiesen, sagte Böckelühr. Die Auswertung von Luftbildaufnahmen habe jetzt ergeben, dass das Haus erst in den fünziger Jahren gebaut worden sei. Die ursprünglichen Lagerbaracken seien nach dem Krieg abgerissen worden.

Schwerte ist nicht die einzige Stadt, die Flüchtlinge in einer KZ-Außenstelle unterbringen will. Augsburg verfolgt ähnliche Pläne.