Die terroristischen Anschläge in Paris haben die deutsche Gesellschaft in ihrem Sicherheitsempfinden offenbar nicht grundlegend erschüttert. Darüber hinaus ist eine große Mehrheit davon überzeugt, dass islamistische Terroristen sich zu Unrecht auf den Islam berufen. Auch sieht mehr als die Hälfte der Befragten in einer ausländerfeindlichen Abschottung Deutschlands eine größere Gefahr als in einer stärkeren Verbreitung des Islams. Das ergab eine Befragung von 1.005 Bürgern, die die ZEIT bei TNS Emnid in Auftrag gegeben hat.  


Mehr als die Hälfte der Deutschen, 55 Prozent, sagen, das Risiko eines Terroranschlags in Deutschland sei nach den Ereignissen in Frankreich etwa gleich hoch wie vorher. Allerdings gaben mit 40 Prozent deutlich mehr Frauen als Männer (31 Prozent) an, Angst vor Terrorismus zu haben. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen war die Stimmung gespalten. Hier glauben 43 Prozent, die Terrorgefahr sei nun höher. 45 Prozent schätzten die Sicherheitslage dagegen als unverändert ein. Auch in der einkommensschwächsten Gruppe wird das Terrorrisiko deutlich höher eingeschätzt als im Durchschnitt. Unter denjenigen, die weniger als 1.000 Euro netto im Monat verdienen,  geht die Hälfte  davon aus, dass die Gefahr zugenommen hat.    

Der Aussage, der islamistische Terror habe mit dem Islam nichts zu tun, stimmen 60 Prozent der Befragten zu. Dabei gibt es keine großen Unterschiede zwischen West- und Ost-Deutschen. Nur in Berlin ist die Zahl der Befürworter dieser Aussage (43 Prozent) etwas kleiner als die Zahl derjenigen, die eine Verbindung zwischen Islam und Terrorismus sehen (44 Prozent).  

Eine deutliche Mehrheit der Befragten, 58 Prozent, sieht in einer ausländer- und islamfeindlichen Abschottung Deutschlands zudem eine stärkere Bedrohung als in einer stärkeren Verbreitung des Islams in der Bundesrepublik. Das gilt unabhängig von Geschlecht, Region, Alter, Einkommen oder Bildungsniveau.

Ambivalent ist die Haltung der Deutschen dagegen in der Frage, ob die Bundesrepublik mehr, weniger oder gleich viele muslimische Flüchtlinge aus Staaten wie Syrien oder dem Irak aufnehmen sollte. 37 Prozent der Befragten finden die Flüchtlingssituation in Ordnung. Für weniger Flüchtlinge aus muslimischen Staaten plädieren 35 Prozent.

Diese Umfrage ist Teil der Titelgeschichte der neuen ZEIT, die Sie ab Mittwochabend online und ab Donnerstag am Kiosk erwerben können.

Allerdings lassen sich in dieser Hinsicht deutliche regionale Unterschiede ausmachen. In Ost-Deutschland spricht sich knapp die Hälfte der Interviewten für weniger muslimische Flüchtlinge aus. In den alten Bundesländern ist es lediglich ein Drittel. Am stärksten ausgeprägt ist der Wunsch, weniger muslimische Flüchtlinge aufzunehmen, mit 59 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Auch das Einkommen spielt bei dieser Frage eine Rolle. Wer mehr als 2.000 Euro netto verdient, sorgt sich weniger über den Zuzug muslimischer Flüchtlinge als schlechter Verdienende.