Das Forsa-Institut hat im Auftrag des Magazins Stern Menschen in Deutschland nach ihrer Einschätzung der Pegida-Bewegung und der Gefahr einer "Islamisierung Deutschlands" befragt. Das Ergebnis: Zwei Drittel der Bundesbürger halten die Darstellung einer solchen Gefahr für übertrieben.

Allerdings meinen 29 Prozent, der Islam habe auf das Leben in diesem Land einen derart großen Einfluss, dass Protestmärsche wie die Pegida-Demonstrationen in Dresden gerechtfertigt seien. Vor allem Sympathisanten der europakritischen Partei AfD teilen offenbar diese Ansicht, wie die Umfrage ergab. 71 Prozent gaben dies bei der Umfrage so an.

Forsa-Chef Manfred Güllner wertete dies als Beleg dafür, dass die Anhänger der AfD "eine Randgruppe mit klarer fremdenfeindlicher Tendenz" seien.

Nur zehn Prozent aller Deutschen würden – so das Umfrageergebnis – bei einer der kommenden Wahlen für eine Partei stimmen, die den Islam in diesem Land bekämpft. Auch hier liegt der Anteil mit 57 Prozent bei den AfD-Sympathisanten deutlich höher.

Gefragt wurde, bevor Kanzlerin Merkel ihre Neujahrsrede hielt

Derzeit organisiert die Bewegung Pegida regelmäßig islamkritische Kundgebungen in Dresden, in anderen Städten gibt es mittlerweile Ableger. Pegida steht für "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Allerdings gingen in vielen Städten auch Tausende Menschen gegen die Pegida-Bewegung auf die Straßen.

Für die Umfrage befragte Forsa am 18. Dezember 2014 1.006 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger. Die Befragung fand damit vor der Neujahrsansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) statt, die an die Bundesbürger appelliert hatte, den Pegida-Aufrufen nicht zu folgen. "Heute rufen manche montags wieder 'Wir sind das Volk'. Aber tatsächlich meinen Sie: Ihr gehört nicht dazu – wegen Eurer Hautfarbe oder Eurer Religion." Die Zuwanderung von Menschen sei aber "ein Gewinn für uns alle", hieß es in der Ansprache der Kanzlerin.

Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke kritisierte Merkel für ihre Aussagen scharf. Eine Neujahrsansprache solle versöhnen und nicht spalten, sagte Lucke der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Frau Merkel stempelt die Menschen als fremdenfeindlich ab, ohne ihnen Gehör schenken zu wollen." Dabei sei es die Pflicht der Bundeskanzlerin, zuzuhören. Zuvor hatte bereits AfD-Vizechef Alexander Gauland Merkels Ansprache kritisiert.

Auch wenn hier eine repräsentative Stichprobe aus der Bevölkerung befragt wurde, sind Umfragen zur politischen Haltung – insbesondere zu derart polarisierenden Themen – nur bedingt aussagekräftig. Wer in so einer Umfrage etwa angibt, eine bestimmte Partei wählen zu wollen, muss dies nicht unbedingt tun, wenn die nächste Wahl ansteht.