Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat sich von einem Leitmotiv der Bundeswehrreform verabschiedet, die vor fünf Jahren eingeleitet wurde. Die CDU-Politikerin distanzierte sich in einem Interview mit den Publikationen der Bundeswehr von dem Prinzip "Breite vor Tiefe", nach dem die Truppe alle militärischen Fähigkeiten haben soll, aber dafür alle auch nur in begrenztem Maße.  

"Ich halte nichts von solchen Schlagworten", sagte von der Leyen. Die Bundeswehr müsse für ihre führende Rolle in Ausbildungsmissionen wie im Irak und Afghanistan oder für die schnelle Eingreiftruppe der Nato zwar immer "eine angemessene Breite" an Fähigkeiten vorhalten. "Wir brauchen aber ebenso dringend bei einzelnen Schlüsselfähigkeiten mehr Durchhaltetiefe", so die Ministerin.

Das Prinzip "Breite vor Tiefe" ist seit Längerem umstritten. EU und Nato wollen stattdessen, dass sich die einzelnen Mitgliedstaaten stärker auf bestimmte Fähigkeiten konzentrieren, von denen dann alle profitieren können.

Von der Leyen kündigte in dem Gespräch konkrete Änderungen für die Bundeswehr an. So stellte sie unter anderem die von ihrem Vorgänger Thomas de Maizière (CDU) festgelegten Obergrenzen für die großen Waffensysteme infrage. "In einem ersten Schritt wollen wir zum Beispiel mit der Praxis Schluss machen, dass wir überschüssiges gutes Material, beispielsweise Leopard 2, abgeben oder verschrotten." De Maizière hatte eine Verringerung der Zahl der Kampfpanzer von 350 auf 225 geplant. Auch für andere Waffensysteme hatte er 2011 Obergrenzen festgelegt.

Von der Leyen erwartet höheren Verteidigungsetat

Die Süddeutsche Zeitung hatte zuvor bereits berichtet, das Verteidigungsministerium erwäge angesichts der Ukraine-Krise, die Ausmusterung von Panzern zu überprüfen. Damit solle nicht die Bundeswehr an sich vergrößert werden, sondern lediglich die Lücken beim Material verkleinert werden, heißt es in dem Bericht. Ein Sprecher hatte dem Blatt bestätigt, es handele sich dabei um eine langfristige Strategie. Der Bundeswehrverband unterstützt die Überprüfung der Kürzungsliste. Bereits im November hatte sich das Ministerium angesichts der veränderten Bedrohungslage für die Anschaffung 131 zusätzlicher Radpanzer vom Typ Boxer im Wert von 620 Millionen Euro entschieden.

Die Verteidigungsministerin will zusätzlich zu den Materialfragen auch die Personalstruktur der Bundeswehrreform nachjustieren. Die Gesamtzahl der Soldaten soll zwar bleiben, sagte sie den Medien der Bundeswehr. "Wir werden uns aber sehr genau anschauen, ob das Verhältnis von Soldaten auf Zeit zu den Berufssoldaten stimmig festgelegt wurde." Die Zahl der Zivilbeschäftigten soll von 55.000 auf 56.000 steigen.

Von der Leyen machte erneut klar, dass sie von einer Erhöhung des Verteidigungsetats ausgeht. "Das letzte Jahr hat der Öffentlichkeit eindrucksvoll vor Augen geführt, dass Sicherheit und eine einsatzfähige Bundeswehr nicht zum Nulltarif zu haben sind.

Die Bundeswehrreform war von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) 2010 angestoßen und von de Maizière ausgearbeitet worden. Zu den Kernpunkten zählen neben dem Prinzip "Breite vor Tiefe" die Aussetzung der Wehrpflicht, die Reduzierung der Truppenstärke von ursprünglich 250.000 auf 185.000 Soldaten und ein neues Standortkonzept.