Einwanderer der zweiten und dritten Generation haben eine Reform der deutschen Integrationspolitik gefordert. Die Politik solle sich nicht nur zum Einwanderungsland Deutschland bekennen, sondern auch zur Einwanderungsgesellschaft, heißt es in einem Papier, das mehrere Initiativen in Berlin vorstellten. "Es gibt immer mehr Initiativen, die klarstellen wollen, dass Deutschsein mehr ist, als deutsche Vorfahren zu haben", sagt Ferda Ataman vom Verein Neue deutsche Medienmacher.

Am Wochenende waren erstmals Mitglieder von etwa 80 Initiativen zu einem Treffen unter dem Titel "Deutschland – neu denken. 1. Bundeskongress der Neuen Deutschen Organisationen" in Berlin zusammengekommen. Der Verein Neue Deutsche Medienmacher hatte den Kongress organisiert. Das Ergebnispapier beinhaltet 13 Thesen, mit denen die etwa 180 Teilnehmer klarstellen wollen, dass sie "selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sind".

Zu den Thesen und Forderungen gehört unter anderem eine stärkere Präsenz der zweiten und dritten Einwanderergeneration in öffentlichen Gremien. "Wir wollen keine Behörden, staatlichen Unternehmen, Parlamente, Gremien, Rundfunkräte, Wohlfahrtsverbände, in denen immer noch (fast) nur Herkunftsdeutsche sichtbar sind", heißt es in dem Papier.

Die Akteure verlangen, auch über Quoten nachzudenken. "Die Perspektiven von People of Color sind in Parteien, Parlamenten, Behörden und Bildungsstrukturen unterrepräsentiert", sagt Tahir Della, Vorstandsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD). "Es wird höchste Zeit, das zu ändern. Notfalls muss man auch über Quoten diskutieren."

Ein Teil der Forderungen bezieht sich auf den bisherigen politischen Umgang mit Einwanderern. "Statt einer Integrationspolitik, die sich auf Migranten und ihre Nachkommen konzentriert, brauchen wir eine Gesellschafts- und Teilhabepolitik für alle", verlangte Farhad Dilmaghani, Vorsitzender von DeutschPlus – Initiative für eine plurale Republik e.V. "Dort, wo Diskriminierung und Rassismus die Chancengleichheit einschränken, müssen wir auch die Mehrheitsbevölkerung adressieren."  

Vom Bundeskongress sei ein klares Signal ausgegangen: "Auch wir sind das Volk" sei der am häufigsten zitierte Satz gewesen. "Mit anderen Worten: Wir sind da, wir sind deutsch und wir wollen mitentscheiden", so Dilmaghani. "Deswegen wollen wir uns zukünftig auch stärker auf Bundesebene organisieren."

Zudem fordern die Teilnehmer des Kongresses ein reformiertes Bildungssystem, in der die Geschichte des Einwanderungslandes Deutschland stärker präsent ist.  

Religionsfreiheit gehört zu Deutschland

Kritisch äußern sich die Initiativen zur politischen Debatte darüber, welche Religionen zu Deutschland gehören. Debatten wie diese seien "nicht hilfreich", heißt es. "Egal, ob man findet, der Islam gehört zu Deutschland oder nicht – Fakt ist: Die Religionsfreiheit gehört zu Deutschland und damit das Recht der Muslime und aller Religionsgruppen, ihren Glauben zu leben", sagt Leila Younes El-Amaire von der Initiative JUMA – Jung, Muslimisch, Aktiv.

Der 1. Bundeskongress der Neuen Deutschen Organisationen wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung, der Stiftung Mercator sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration unterstützt.