Vor der Bundestagsentscheidung über die Frauenquote hat Bundesjustizminister Heiko Maas das Vorhaben als Meilenstein für die Gleichberechtigung gelobt. "Die Frauenquote ist der größte Beitrag zur Gleichberechtigung seit Einführung des Frauenwahlrechts", sagte der SPD-Politiker.

Ab 2016 soll in börsennotierten Unternehmen, in denen die Arbeitnehmerseite voll mitbestimmungsberechtigt ist, bei der Aufsichtsratswahl eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent gelten. Das betrifft gut 100 Großunternehmen. 3.500 weitere Firmen müssen sich ab 2016 zumindest verbindliche Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen setzen.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig sprach von einem Signal für alle Arbeitnehmerinnen: "Frauen sehen, was möglich ist", sagte die Sozialdemokratin der Passauer Neuen Presse. Nur wenn es an der Spitze Gleichberechtigung gebe, werde sich das auch innerhalb der Betriebe durchsetzen.

Die Grünen hatten einen weitergehenden Gesetzentwurf vorgelegt und fordern eine Quote von 40 Prozent, die Linke will 50 Prozent Frauen in Führungsgremien festschreiben. Bis zuletzt hatte es Kritik und verfassungsrechtliche Bedenken gegen den Regierungsentwurf gegeben. Dabei ging es vor allem um die ebenfalls geplante Umsetzung im öffentlichen Dienst und eine dort vorgesehene Männerquote etwa bei Erziehern und Grundschullehrern.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hatte die Pläne kürzlich erneut kritisiert und erklärt, die Quote müsse auf den Prüfstand. Schwesig bezeichnete die Ablehnung der Wirtschaft als "Ablenkungsmanöver". Es sei auch nicht ihre Aufgabe, "die Männer von den Wirtschaftsverbänden glücklich zu machen", sagte sie. Sie wolle etwas für die Frauen bewegen.

Im Januar hatte das Justizministerium unter Berufung auf Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mitgeteilt, dass derzeit die Frauenquote in den Aufsichtsräten der 200 größten Unternehmen in Deutschland bei 18,4 Prozent liege, in den Vorständen bei nur 5,4 Prozent.