Ein Hubschrauber des Typs NH90 während einer Übung bei Munster (Archivbild) © Alexander Koerner/Getty Images

Der Militärhubschrauber NH90 von Airbus macht der Bundeswehr mehr Probleme mit dem Triebwerk als bisher bekannt. "Die Firma Airbus Helicopters informierte das BMVg über weitere Fälle von Triebwerk-Stagnation", zitierte die Nachrichtenagentur dpa aus einem Brief der Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium (BMVg), Katrin Suder, an den Haushaltsausschuss des Bundestages. Dieser entscheidet am morgigen Mittwoch über die neue Hubschrauber-Rahmenvereinbarung mit Airbus Helicopters, der früheren Eurocopter.

Dem Schreiben zufolge sind international insgesamt 19 Vorfälle bekannt, in denen Hubschrauber des Typs NH90 Triebwerksprobleme hatten. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte, dass bei den NH90 der Bundeswehr Beschädigungen des Triebwerks in insgesamt fünf Fällen entdeckt worden seien. In zwei Fällen musste demnach der Flug beendet werden.

Am 19. Juni 2014 musste ein Pilot auf dem Bundeswehr-Stützpunkt Termes in Usbekistan notlanden, nachdem erst ein Triebwerk explodiert war und es dann auch noch nach der Betätigung des Feuerlöschschalters zu einem Kurzschluss gekommen war. Etwas weniger spektakulär war ein weiterer Triebwerkschaden wenige Tage später in Leipzig. Die anderen drei Fälle seien bei der Bundeswehr "im Rahmen einer routinemäßigen Wartung" entdeckt worden.

Schalter klemmt

Ein anderes Triebwerksproblem tritt beim Neustart eines nicht ausreichend abgekühlten Triebwerks auf. Für diesen Fall wurden die Piloten angewiesen, vor jedem Triebwerkstart zu "ventilieren", um Schäden zu vermeiden. Bis Ende 2016 will Airbus Helicopters für die deutsche NH90-Flotte ein halbautomatisches Verfahren in das Betriebssystem des Hubschraubers integrieren.

Neben dem Triebwerk bereitet der NH90 auch Ärger mit der Feuerlöschanlage: Der dafür im Hubschrauber existierende Schalter klemmt leicht. Die Bundeswehr will die Marine-Version Sea Lion des Helikopters auch für Rettungsoperationen auf See einsetzen. Das Militär hat das Problem mit dem Schalter vorübergehend behoben. Dazu wurde eine Folie über dem Schalter entfernt. Damit soll ein "Verklemmen und damit Dauerstrom bei Betätigung der Feuerlöschanlage" verhindert werden. Airbus Helicopters räumte einen "Designfehler" ein und kündigte mittelfristig eine technische Nachbesserung an, um den Fehler zu beseitigen.

Wegen der bekannten Probleme hatte das Verteidigungsministerium den Routineflugbetrieb für die NH90 am 6. Februar 2015 gestoppt. Zwei Wochen später wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags soll am Mittwoch über den Kauf von 18 Sea Lion für die Bundeswehr entscheiden, die Helikopter sollen knapp 1,4 Milliarden Euro kosten. Das Geschäft ist umstritten, die Marine hatte ursprünglich für die Anschaffung eines anderen Hubschraubers votiert.