Vor der Eröffnung der neuen Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Polizei in Frankfurt am Main mehrere gewaltsame Zwischenfälle gemeldet. Nachdem am Morgen die ersten Demonstranten, die am Rande der Eröffnungsfeier gegen die EU-Krisenpolitik protestieren wollen, in Frankfurt eintrafen, seien Einsatzkräfte an mehreren Stellen in der Innenstadt angegriffen worden, berichtete die Polizei auf Twitter. Vor der Alten Oper hätten Demonstranten Steine geworfen. Ein Polizist sei verletzt worden. Zudem wurden den Behörden zufolge ein Polizeirevier attackiert und mehrere Streifenwagen in Brand gesteckt.

Die Behörden rechnen mit mindestens 10.000 Teilnehmern an der Protestkundgebung. Das kapitalismus- und bankenkritische Blockupy-Bündnis hatte angekündigt, die Eröffnungsfeier und den Arbeitsalltag der etwa 2.600 EZB-Beschäftigten mit Blockaden und Aktionen des zivilen Ungehorsams zu behindern. Die EZB will ihren Neubau um elf Uhr offiziell eröffnen.

In den frühen Morgenstunden meldete die Polizei zahlreiche Sachbeschädigungen: Im Stadtteil Westend seien vier Autos in Brand gesteckt worden, zwei weitere an der Bockenheimer Anlage. Auch Polizeiautos wurden von Brandstiftern angegriffen. Feuerwehrleute seien mit Steinen beworfen worden und mussten einen Löscheinsatz laut Polizei abbrechen. Zudem hätten Unbekannte 30 Eisenspitzen ausgelegt. Ein Zusammenhang mit den Protesten gilt als wahrscheinlich. "Da auch Scheiben einer Immobilienfirma eingeschlagen wurden und vermummte Personen gesehen wurden, gehen wir davon aus, dass diese Verbindung besteht", sagte ein Polizei-Sprecher.

Auf Twitter wandte sich die Polizei direkt an die Demonstranten und versucht zu deeskalieren. Als Mülleimer angezündet wurden twitterten die Beamten: "Das ist eine Straftat. Lasst das!" Zu einem Bild der gefundenen Eisenspitzen schrieb sie: "Verhindert, dass Straftäter eure Inhalte untergraben." Die Demonstranten blockierten die zentrale Flößerbrücke über den Main und den Ratswegskreisel, einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Osten der Stadt.

Die schon vor einiger Zeit bezogene neue EZB-Zentrale im Stadtteil Ostend ist wegen der Proteste seit Montag stark gesichert. Eine Sperrzone mit Gittern und Nato-Draht umgibt das Gebäude, zwischen 5.000 und 9.000 Beamte aus ganz Deutschland sind im Einsatz, hinzu kommen noch rund 700 Bundespolizisten. Die Eröffnungsfeier selbst ist in kleinerem Rahmen geplant. Neben EZB-Präsident Mario Draghi werden Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) als Redner erwartet.

Der DGB hat für den Mittag zu einem Demonstrationszug zum EZB-Gelände aufgerufen. Der Protest richte sich gegen die Politik der EZB in Südeuropa. Den in Schwierigkeiten geratenen Ländern müssten Investitionen zugesagt werden, anstatt sie weiter auszupressen, sagte der Frankfurter DGB-Vorsitzende Harald Fiedler. Wie viele Teilnehmer kommen werden, sei nicht vorherzusehen – es könnten 200 oder auch 2.000 werden.

Deutlich größer soll die Hauptdemonstration von Blockupy werden. Mehrere Tausend Demonstranten werden nach Schätzung des Veranstalters im Berufsverkehr am Nachmittag durch die Innenstadt ziehen. Zuvor werden auf einer Kundgebung unter anderem die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, der Mitbegründer der spanischen Protestpartei Podemos, Miguel Urban, der Kabarettist Urban Priol und die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein erwartet.