1994

Angela Merkel ist Frauenministerin unter Kanzler Helmut Kohl. Trotz ihrer immerhin schon 40 Jahre Lebensalter gilt sie als Kohls Mädchen. Frauenförderung beginnt erst, ein politisches Thema zu werden.

"Ich habe immer gesagt, dass ich die starre Quote nicht will.(...) Natürlich weiß ich, dass der Frauenanteil mit der Quote mit höherer Wahrscheinlichkeit steigt. Dennoch widerspricht die Quote meiner Auffassung von freiwilligem menschlichem Handeln."
(taz, 12.11.1994)

1999

Auf 16 Jahre Kohl folgt die erste rot-grüne Koalition. SPD-Familienministerin Christine Bergmann setzt sich für ein Gleichstellungsgesetz für die Wirtschaft ein.

"Ich sähe die Frauen gern mit den Waffen der Macht ausgerüstet. (...) Wir wollen verbindliche Normen. Die Wirtschaft sagt, das regelt sich schon von allein. Aber der freiwillige Weg ist sehr langsam (...). "
(Tagesspiegel, 17.07.1999)

2001

Bergmanns Pläne stehen vor dem Scheitern. Die taz berichtet am 29.03.2001:

"Nach einem Gespräch zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt über ein Gleichstellungsgesetz für die Wirtschaft sagt Hundt, er habe den Eindruck gewonnen, der Kanzler stehe "auf der Seite der Wirtschaft".

 Wenig später sagt Schröder auf einer Veranstaltung:

"Es muss nicht für jedes gesellschaftliche Problem ein Gesetz gemacht werden."

Am Ende einigen sich die rot-grüne Koalition und die Arbeitgeber auf eine Empfehlung "zur Förderung von Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft".

2006

Deutschland wird von einer großen Koalition regiert, die Kanzlerin heißt Angela Merkel. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, später eine glühende Verfechterin der festen Frauenquote, ist noch nicht überzeugt. Sie glaubt, dass sich das Problem von alleine löst.

"Es ist eine Illusion zu glauben, dass Gesetze das Allheilmittel sind. Allein die Tatsache, dass wir auf einen deutlichen Fachkräftemangel zugehen, erhöht den Druck auf die Wirtschaft, Frauen und Männern wirklich die gleiche Chance zu geben." (taz, 18.02.2006)

Ein Jahr später, am 30.05.2007 sagt sie der Frankfurter Rundschau:

"Die Zeit der Quoten ist schon lange wieder vorbei. Die Wirtschaft würde nur viel Energie darauf verschwenden, diese Quoten zu umgehen. Und die Frauen würden sich selbst schaden, weil sie damit ihr Licht unter den Scheffel stellen."

 2009

Im Bundestagswahlkampf wird wieder über eine Frauenquote gesprochen. Im Schattenkabinett von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier ist auch Manuela Schwesig, Sozialministerin aus Mecklenburg-Vorpommern.

 "Das muss ich als junge Frau in einer Führungsposition ganz deutlich sagen: Es gibt diese Gleichberechtigung in der Arbeitswelt nicht. Die Union betreibt reine Schaufensterpolitik." (taz, 24.08.2009)

2010

Schwesig ist weiter in der Opposition. Sie sagt:

"Es muss – wie in Norwegen – harte Sanktionen geben. Unternehmen, die sich nicht an die Quote halten, werden dort als Aktiengesellschaft aufgelöst. Geldstrafen reichen nicht aus." (Welt, 15.07.2010)

 Fünf Jahre später wird die Bundesregierung mit ihr an der Spitze eher moderate Sanktionen für die Frauenquote beschließen. 

In der schwarz-gelben Koalition ist CDU-Familienministerin Kristina Schröder für eine Flexi-Quote, eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft. Sie sagt:

"Wir dürfen jetzt aber auch nicht so tun, als würden alle Frauen eine Führungsposition anstreben. Viele Frauen wollen sich das unter den heutigen Bedingungen auch nicht antun – 70 Stunden pro Woche arbeiten und keine Zeit mehr für die Familie. Eine Frauenquote hilft diesen Müttern überhaupt nicht."

"Ich finde nicht, dass der Staat dazu da ist, die Firmen zu ihrem Glück zu zwingen" (beides in der Süddeutschen Zeitung, 29.11.2010)

 2011

Ursula von der Leyen, jetzt Bundesarbeitsministerin, hat ihre Meinung geändert und fordert nun eine feste Quote.

"Ich verstehe die Haltung der jüngeren Frauen, die sagen, wir brauchen keine Quote. Viele dieser Frauen haben in Schule, Studium und am Beginn des Berufslebens die Erfahrung gemacht, dass sie ausgezeichnet durchkommen. Sie haben noch nicht erleben müssen, dass es zwei Karrierewege gibt: für die Männer die gut ausgeschilderte Straße, für die Frauen die Piste, die das Navi nicht kennt. Die meisten Frauen, die es in Top-Positionen gebracht haben, sagen: Früher war ich auch gegen die Quote, heute glaube ich, wir kommen ohne Quote nicht aus. Mir ging es nicht anders." (Spiegel, 31.01.2011)

 Ganz anders sieht das Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP):

"Ich bin sicher: Die Frauen schaffen das ohne Quote – weil sie gut sind."

Auch CDU-Familienministerin Kristina Schröder bleibt hart:

"Eine staatlich verordnete, starre Einheitsquote dagegen greift von außen in die Personalentscheidungen ein. Das ist ordnungspolitisch falsch, verfassungsrechtlich bedenklich und weder mit der Union noch mit der FDP durchsetzbar." (ZEIT, 24.02.2011)

"Ich habe tatsächlich schon einmal über eine Mütterquote nachgedacht. Die größten Probleme mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben ja nicht kinderlose Frauen, sondern vor allem Mütter. Es wäre wenig erreicht, wenn von einer Quote nur Frauen profitieren, die genauso leben wie Karriere-Männer" (Wirtschaftswoche, 28.03.2011)